Wenn nichts mehr real ist

Es gibt Momente, in denen wir die Welt wie durch einen Schleier wahrnehmen. Doch bei manchen Menschen hält dieser beängstigende Zustand an.

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Und plötzlich wirkt nichts mehr real

Irgendwie „neben sich zu stehen“ oder die ­Außenwelt wie durch einen Schleier wahrzunehmen – das haben viele von uns schon einmal erlebt. Doch der Zustand kann anhalten, über Jahre. Dahinter ­verbirgt sich eine fast vergessene Krankheit

Das erste Mal passiert es bei der Arbeit. Sie steht in dem kleinen Laden an der Kasse und fühlt, wie Panik in ihr aufsteigt. Eine abgrundtiefe Angst, ohne zu wissen, wovor. Melike bemerkt, wie ihr Herz rast und sie anfängt zu schwitzen. Alles in ihr zieht sich zusammen, der Raum erscheint ihr wie ein Käfig. Sie macht ein paar Schritte, doch ihre Beine bewegen sich wie mechanisch, sie kann sie nicht mehr fühlen. Dieses beängstigende Gefühl geht auch auf den Bauch und die Arme über. Der ganze Körper scheint nicht mehr zu ihr zu gehören.

Damit die Kollegen nichts merken, flüchtet sich Melike in die Damentoilette. Sie schaut in den Spiegel und erkennt ihr eigenes Gesicht nicht mehr. Sie weiß, „das bin ich“, und zugleich erscheint ihr dieses Gesicht fremd und ohne einen Bezug zu ihr selbst. Auch die Dinge um sie herum nimmt sie nur noch wie hinter einem Schleier wahr. Melike ist plötzlich abgespalten von der Welt – und von sich selbst. „Alles um mich herum kam mir unecht vor, wie ein Theaterstück.“

„Neben sich zu stehen“ oder die Welt nur noch gedämpft wahrzunehmen, das hat fast jeder schon einmal erlebt. Ein solcher innerer Rückzug aus einer belastenden Situation ist zunächst keine Störung, sondern ein Schutz, auf den die Psyche bei Überforderung zurückgreifen kann. Extreme…

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