Ich lass mir Zeit!

Der Zug hat Verspätung. Vor der Supermarktkasse ist eine lange Schlange. Der Computer reagiert zu langsam. Jetzt nur nicht ungeduldig werden! Sich nicht hetzen lassen, vor allem nicht von sich selbst. Geduld ist eine Stärke – mit ihr gelingt das Leben leichter

Ich lass mir Zeit!

Der Zug hat Verspätung. Vor der Supermarktkasse ist eine lange Schlange. Der Computer reagiert zu langsam. Jetzt nur nicht ungeduldig werden! Sich nicht hetzen lassen, vor allem nicht von sich selbst. Geduld ist eine Stärke – mit ihr gelingt das Leben leichter

Bitte nehmen Sie sich einen Moment Zeit für ein kleines Experiment. Lassen Sie die folgenden sechs Buchstaben auf sich wirken: GEDULD. Was passiert, wenn Sie das Wort lesen? Wie reagiert Ihr Körper? Welche Gedanken und Gefühle tauchen spontan auf? Bekommen Sie auf der Stelle ein schlechtes Gewissen, weil Sie sich vorgenommen haben, endlich geduldiger zu werden, bisher leider erfolglos? Vielleicht werden auch Kindheitserinnerungen wach an endlose, öde Sonntagnachmittage, an denen Sie darauf gewartet haben, dass endlich etwas passiert. Oder Sie denken an die Vertragsverhandlung, bei der Sie zu ungeduldig waren, ein besseres Ergebnis zu verhandeln. Möglicherweise kommt Ihnen auch eine Freundin in den Sinn, die Ihre Geduld strapaziert, weil sie immer wieder die gleiche Anekdote erzählt. Oder wie ungeduldig Sie sind, wenn es darum geht, den Drucker zum Laufen zu bringen, eine Türklinke zu reparieren oder ein Geschenk einzupacken.

Sie merken: Wer sich der Geduld nähert, landet sofort bei der Ungeduld. Sie kann entstehen, wenn die Dinge nicht so laufen, wie wir uns das vorstellen, wenn wir warten müssen, Erfolge sich nicht wie gewünscht einstellen, andere nicht tun, was wir von ihnen wollen, oder wir unter unseren eigenen Erwartungen bleiben. Unruhig werden wir auch, wenn wir nicht so fit und leistungsfähig sind, wie wir es gerne wären, und unser Körper Erschöpfungssignale sendet, oder wenn wir viel länger als gewünscht brauchen, um mit einer Veränderung klarzukommen.

Ungeduld lässt sich also sehr gut beschreiben, aber was ist der Stoff, aus dem Geduld ist? Das deutsche Wort Geduld geht auf das urgermanische Verb ga-thuldis zurück. Vermutlich steckt darin die indogermanische Verbwurzel tol oder tla, die tragen oder auch ertragen bedeutet. Auch im lateinischen patientia, im französischen und im englischen Wort patience steckt erdulden, erleiden. Die Wortwurzel verweist also auf eine eher passive Haltung. Was uns heute natürlich überhaupt nicht passt und sofort Abwehr provoziert. Es lohnt sich jedoch, den ersten Abwehrimpuls zu überwinden, weil Geduld, verstanden als Konglomerat aus Willenskraft, Ausdauer, Selbstkontrolle und Frustrationstoleranz, überaus wichtig ist, um Erfolge zu erzielen und Zufriedenheit zu erfahren.

Selbstkontrolle: ein anderes Wort für Geduld?

Wer sich mit Geduld beschäftigt, kommt an einer legendären psychologischen Versuchsreihe nicht vorbei, in deren Zentrum eine klebrige Süßigkeit aus rosa Zuckerwatte steht: dem Marshmallowtest des Entwicklungspsychologen Walter Mischel, der als Pionier der Geduldsforschung gilt. Ursprünglich wollte er das Geheimnis der Willenskraft entschlüsseln. Doch dann wurde mehr daraus. Zwischen 1968 und 1974 führte er verschiedene Versuche durch, deren Grundstruktur im Kern gleich blieb.

Mischel setzte Kinder in einem kargen Raum an einen Tisch. Vor jedem Kind stand ein Teller mit einem Marshmallow. Nun erklärte die Versuchsleiterin dem Kind, es könne das Marshmallow sofort essen oder zwei Minuten warten. Gelinge es ihm, auf die Rückkehr der Versuchsleiterin zu warten, ohne die Süßigkeit zu essen, bekommen ein zweites dazu. Durch einen Einwegspiegel beobachteten Mischel und sein Team die Kinder heimlich. Manche stopften sich ihr Marshmallow sofort in den Mund. Manche versuchten sich abzulenken, standen auf oder redeten sich selbst gut zu. Andere nagten ihr Marshmallow von unten an und legten es wieder auf den Teller zurück. Einige Kinder warteten auf die Rückkehr der Versuchsleiterin und nahmen strahlend ihre Belohnung in Empfang.

Als Mischel 13 Jahre später fragte, was aus seinen Mashmallowkindern geworden war, machte er eine erstaunliche Entdeckung. Jene, die schon im Vorschulalter warten konnten, waren als junge Erwachsene zielstrebiger und erfolgreicher in Schule und Ausbildung. Außerdem konnten sie besser mit Rückschlägen umgehen, wurden als sozial kompetenter beurteilt und waren seltener drogenabhängig als jene, die das erste Marshmallow sofort verschlungen hatten. Die Ungeduldigen waren emotional instabiler und schnitten in der Schule schlechter ab – obwohl sie nicht weniger intelligent waren. Das Experiment wurde in der Folge vielfach wiederholt, mit dem immer gleichen Ergebnis: Wer auf das Marshmallow warten konnte, hatte in fast allen Lebensbereichen später bessere Karten.

Nach vielen Jahren der Forschung zu diesem Phänomen weiß man, dass Mischel damals mehr als nur die pure Willenskraft der Kinder gemessen hat. Erst im Verlauf seiner Experimente entdeckte er zu seiner eigenen Überraschung Selbstkontrolle und Selbstdisziplin als Erfolgsfaktoren. Die Fähigkeit, zu warten und klug mit seinen Gefühlen und Begierden umzugehen, um ein höheres Ziel zu erreichen, gilt heute als Schlüsselkompetenz für Erfolg und Lebensglück. Was schon Konfuzius wusste – „Ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man die großen Vorhaben zum Scheitern“ –, ist mittlerweile durch zahlreiche Studien belegt. Geduld gilt als wichtige Voraussetzung für Handlungskontrolle, die wiederum Grundlage für den späteren Schul- und Arbeitsmarkterfolg und die Integration in die Gesellschaft ist.

Die Erwartung, dass alles sofort geschehen muss

Die Düsseldorfer Psychologin und Psychotherapeutin Johanna Müller-Ebert schlägt vor, Geduld als einen mittleren Modus zwischen Stringenz und Selbstfürsorge zu verstehen. „Ich habe eine Zielvorstellung und strenge mich an, versuche aber nicht auf Teufel komm raus, sie zu befolgen, und achte darauf, mich auf dem Weg nicht vollkommen zu verausgaben.“ Doch genau das fällt vielen in der Praxis zunehmend schwer. „Wir leben in einer narzisstischen Gesellschaft“, meint Johanna Müller-Ebert. „Ein Narzisst erlebt es als Zumutung, wenn er auf etwas warten muss. Das Gewünschte soll sofort geschehen.“

Diese egozentrische und neurotische Erwartungshaltung ist längst nicht mehr nur ein Merkmal einer individuellen Persönlichkeitsstörung, sie hat die Gesellschaft im Ganzen erfasst und untergräbt die Fähigkeit, warten zu können, die wiederum ein wichtiger Aspekt von Geduld ist. „Die Erwartung, dass uns alles sofort zur Verfügung stehen muss, prägt den Zeitgeist. Wir leben in einer Sofortkultur und haben uns daran gewöhnt, kleine Ziele ohne große Anstrengung sofort erreichen zu können.“ Ein Klick genügt, um sich ein gewünschtes Buch in 24 Stunden oder eine Pizza in sechzig Minuten nach Hause liefern zu lassen. „Langfristige Ziele erfordern jedoch Geduld, und wir können Geduld bei kleinen Zielen nicht mehr üben“, gibt Johanna Müller-Ebert zu bedenken.

Um Lernerfolge zu erzielen, ist Geduld unerlässlich. Das weiß jeder, der je versucht hat, ein Instrument, eine Sportart oder eine neue Sprache zu lernen, und darunter leidet, wie quälend langsam es vorangeht. Die amerikanische Kunsthistorikerin Jennifer Roberts hält absichtsvolle Entschleunigung für einen produktiven Prozess, der sachkundiges Begreifen und Verstehen und damit Lernen erst möglich macht. Sie erwartet von ihren Studenten, dass sie sich das Kunstwerk, über das sie ihre Arbeit schreiben wollen, geschlagene drei Stunden lang mit ungeteilter Aufmerksamkeit anschauen. Bevor die Studenten Literatur über ein Bild lesen, sollen sie sich erst davorsetzen und notieren, was ihnen auffällt und welche Fragen und Fantasien und Spekulationen in ihnen auftauchen, während sie die Details erkunden.

Roberts’ Artikel The power of patience (Die Macht der Geduld), der im Harvard Magazine erschienen ist, beschreibt Geduld als produktives Medium für Lernprozesse. Jennifer Roberts selbst hatte drei Stunden vor dem Gemälde von John Singleton Copley A Boy with a Flying Squirrel gesessen und auf diese Weise die Kraft der Geduld erfahren. „Ich brauchte 45 Minuten, um zu merken, dass die scheinbar unwichtigen Falten des Vorhangs, vor dem der junge Mann sitzt, in perfekter Weise die Formen seiner Ohren und Augen spiegeln. Als ob der Maler die Idee hatte, dass seine Sinnesorgane bis zum Vorhang reichen oder sich auf ihm verewigen. Um etwas zu verstehen, brauchen wir Zeit und strategische Geduld.“ Das gelte nicht nur für die Beschäftigung mit Kunstwerken. Die meisten ihrer Studenten, schreibt Roberts, seien erst vollkommen entsetzt, weil ihnen die Zeitspanne von drei Stunden unerträglich lange erscheine. Am Ende berichteten sie erstaunt, welche tiefen und überraschenden Erkenntnisse dieser intensive, geduldige Prozess ihnen ermöglicht habe. Wem das Wort Geduld zu altmodisch klingt, dem schlägt Roberts vor, es durch „Zeitintelligenz“ zu ersetzen.

Junge Menschen: Gewöhnt an Lustgewinn ohne Anstrengung

Die Fähigkeit, etwas auszuhalten, was unmittelbar keinen Spaß macht, aber notwendig ist, um ein Ziel zu erreichen, kommt vor allem jungen Erwachsenen zunehmend abhanden. Der Berliner Psychologe und Psychotherapeut Gerd Heinen, der sich auf junge Erwachsene spezialisiert hat, beobachtet, dass viele seiner Patienten Unlust bei Anstrengung als unüberwindliche Hürde empfinden und schnell die Geduld verlieren. „Viele verfallen in Situationen, in denen ihre Fähigkeiten gefragt sind, in Lethargie. Sie gehen Anforderungen aus dem Weg und ziehen sich sprichwörtlich die Decke über den Kopf. Anstatt geduldig nach Lösungen für entstandene Probleme zu suchen und dabei auch Fehler oder Scheitern in Kauf zu nehmen, flüchten sie vor der Realität, schlafen viel und verlassen ihr Zimmer nicht mehr. Dann fühlen sie sich mies, führen die unguten Gefühle als Begründung für ihre mangelnde Geduld an und kommen nicht weiter.“

Die Bereitschaft, sich anzustrengen und geduldig auf etwas hinzuarbeiten, nimmt in der Altersgruppe, mit der Heinen täglich zu tun hat, in deutlichem und für den Therapeuten manchmal erschreckendem Maße ab. „Oft ist die Unlust mit Schuldzuweisungen verbunden. Haben die jungen Leute beispielsweise zu spät angefangen, sich auf eine Prüfung vorzubereiten, beklagen sie sich, dass sie nicht genügend motiviert wurden, dass das Lernen nicht genug Spaß macht oder die Lehrer sich nicht ausreichend bemühen. Haben sie verschlafen, suchen sie die Schuld bei den Eltern, die sie nicht rechtzeitig geweckt haben.“

Auch wenn Skepsis gegenüber verallgemeinernden Ursache-Wirkung-Kurzschlüssen angebracht ist, so scheinen soziale Medien und insbesondere Computerspiele den ungeduldigen Rückzug aus Situationen, die unangenehm sind und Handeln erfordern, zu befördern. „Die Parallelwelt ermöglicht vielen meiner Patienten ein hohes Maß an Lustgewinn ohne jede Anstrengung. Hier finden junge Menschen genau das, was sie suchen und brauchen, um ihre Verweigerung aufrechtzuerhalten. Beim Spielen haben sie Erfolge und erleben sich als kompetent und leistungsfähig, ohne das im realen Leben unter Beweis stellen zu müssen“, beschreibt Gerd Heinen den Teufelskreis. Außerdem überdeckten die Medien die Langeweile, die ohne ständige Unterhaltung entsteht und sie wieder ins richtige Leben treiben würde. „Es ist auch die Sucht nach unmittelbarem Lustgewinn, die verhindert, dass die notwendige Geduld für normale Entwicklungsprozesse aufgebracht wird, und jede kleine Anstrengung zu einer gefühlten Überforderung werden lässt.“

Ich bin eben ungeduldig!

Doch nicht nur junge Erwachsene tun sich schwer, geduldig auf Ziele hinzuarbeiten und sich mit der eigenen Ungeduld konstruktiv auseinanderzusetzen. „Lieber Gott, gib mir Geduld. Aber sofort.“ Dieser Witz illustriert wunderbar die Haltung, mit der viele Patienten zu Johanna Müller-Ebert in die Therapie kommen. Sie sagen: „Ich bin immer so schnell zornig und ungeduldig, ich will, dass das weggeht.“ Wenn die Therapeutin sie dann fragt, was stattdessen sein soll und ob sie eine Vorstellung von der Qualität haben, die sie beleben möchten, „merken sie, dass es keinen magischen Zaubertrick gibt, der sie geduldig macht. Das löst bei einigen Fluchtimpulse aus.“

Sätze wie „Ich bin halt ungeduldig“ oder „Ich war schon immer ungeduldig“ lässt Müller-Ebert nicht gelten. Natürlich prägen Kindheitserfahrungen den Persönlichkeitsstil. Kinder, die in einem ruhigen Familienklima aufwachsen, mit Eltern, die ihnen Zeit geben, Probleme in ihrem eigenen Tempo zu lösen, entwickeln leichter die Fähigkeit, zu warten und Dinge beharrlich und in Ruhe anzugehen und zu Ende zu bringen. Umgekehrt fällt es Kindern, die ständig unter Druck gesetzt werden („Beeil dich. Hör auf zu träumen. Trödel nicht rum“) schwerer, Geduld zu lernen. Ein unbeständiges und unzuverlässiges Umfeld führt dazu, dass Kinder schnell ungeduldig werden. Die Psychologin Celeste Kidd von der University of Rochester in New York konnte in einer Studie nachweisen, dass die Fähigkeit, auf eine Belohnung zu warten, erheblich davon beeinflusst wird, wie verlässlich die Umgebung ist. Selbstkontrolle ist weniger stark ausgeprägt, wenn sie wertlos erscheint. Kinder, die in der Studie mehrfach enttäuscht wurden, weil eine versprochene Belohnung ihnen später doch verweigert wurde, nahmen lieber den Spatz in der Hand, als auf eine versprochene Belohnung zu warten, die möglicherweise nicht kommt.

Dennoch hält Johanna Müller-Ebert Geduld für eine Kompetenz, die sich auch bei ungünstigen biografischen Startbedingungen später noch erlernen oder trainieren lässt. Die entscheidende Frage sei: Möchte ich auf etwas warten oder auf Belohnungen verzichten können, um ein Ziel, das mir wichtig ist, zu erreichen? Für welches Ziel könnte es sich lohnen, Geduld aufzubringen? Erscheint mir Geduld als so wertvoll, dass ich bereit bin, mich dafür zu interessieren und meine eingeschliffenen Handlungsmuster zu verändern? „So wie ich üben kann, mich abzugrenzen, kann ich auch trainieren, geduldiger zu sein, damit andere sich nicht von mir abgrenzen müssen.“

Sich Geduld zu verordnen ist jedoch kontraproduktiv. Denn hätten wir in einer bestimmten Situation die Fähigkeit dazu, würden wir sie auch einsetzen. Statt sich zur Geduld zu ermahnen, empfiehlt Müller-Ebert, geduldiger mit sich selbst zu sein, auch mit der eigenen Ungeduld, und in kleinen Schritten auszuprobieren, wie das gehen könnte. Wobei Geduld nicht bedeutet, immer nur lethargisch abzuwarten und alles zu ertragen. Es geht vielmehr um ein aktives Warten, zu dem auch das Wissen gehört, wann der Moment gekommen ist, entschlossen, dynamisch und gegebenenfalls auch mutig zu handeln und sich beispielsweise zu wehren gegen eine lange ertragene Zumutung.

Denn Ungeduld kann auch ein wichtiger Seismograf für eine anstehende Veränderung sein und ein Motor, endlich ernst zu machen, den Job zu kündigen, eine neue Wohnung zu suchen, ein Herzensprojekt anzugehen. Um die Früchte der durch produktive Ungeduld ausgelösten heilsamen Entscheidung zu ernten, braucht es allerdings wiederum Ausdauer und Wartekompetenz.

Geduldsübungen

Kann man lernen, die Ungeduld zu zügeln? Es gibt eine Fülle von Selbstcoachingtipps, die durchaus ihre Wirkung entfalten, wenn man beharrlich dranbleibt

Wenn Sie unfreiwillig warten müssen, weil die Bahn sich verspätet oder der Bus nicht kommt, beobachten Sie für einen Moment, wie die Ungeduld in Ihnen hochsteigt, und entscheiden Sie sich, die Perspektive zu wechseln und Ihren Widerstand aufzugeben. Was ändert sich, wenn Sie, statt hektisch Ihr Smartphone zu zücken, das erzwungene Warten als geschenkte Zeit betrachten? Zeit, in der Sie Ihre Füße auf dem Boden spüren, die Formation der Wolken am Himmel betrachten, den Wind auf der Haut genießen, Ihren Atem bewusst wahrnehmen können.

Ständiges Multitasking leert den Geduldsspeicher. Experimentieren Sie deshalb immer wieder bewusst mit Impulskontrolle. Wenn während der Arbeitszeit der Impuls auftaucht, schnell noch einen Flug zu buchen, eine private Mail zu schicken, eine Rechnung zu überweisen, üben Sie, das Vorhaben, das Ihnen so dringlich erscheint, zu verschieben auf die Zeit nach Feierabend.

Geduld erhöht auch die Genussfähigkeit. Wenn Sie mit dem Essen so lange warten, bis Sie hungrig sind, genießen Sie das Essen viel intensiver, als wenn Sie vorher schon dreimal zur Keksdose gegriffen haben. Mit kleinen Achtsamkeitsübungen können Sie Ihre Geduld trainieren: Bevor Sie etwas essen möchten, halten Sie für ein bis zwei Minuten inne. Lauschen Sie nach innen: Wie fühle ich mich gerade? Angespannt? Entspannt? Wie fühlt sich mein Körper gerade an? Dann fragen Sie sich oder Ihren Körper ganz bewusst: Was würde mir jetzt guttun? Tut es mir jetzt wirklich gut, etwas zu essen? Wenn ja, entscheiden Sie nun, was Sie essen möchten und in welcher Atmosphäre.

Um Geduld mit anderen zu üben, ist achtsames Zuhören eine gute Gelegenheit. Versuchen Sie, einmal am Tag, wenn Sie zuhören, jede Wertung beiseite zu lassen. Hören Sie Ihrem Partner, Ihrer Kollegin oder Ihren Kindern interessiert und offen zu, ohne sie zu unterbrechen oder sich gleich mit einem Kommentar oder einer Frage einzumischen. Wenn Sie merken, dass Sie ungeduldig werden und drauf und dran sind, zu unterbrechen oder zu werten, schalten Sie Ihr Bewusstsein auf Leerlauf. Es geht nicht darum, sich stundenlang die Geschichten von anderen anzuhören, sondern sich gelegentlich in geduldigem Zuhören zu üben.

Achten Sie darauf, wie Sie mit sich selbst sprechen. „Ich muss“-Sätze verstärken die Ungeduld. Ersetzen Sie „Ich muss“ durch „Ich möchte gerne …“ oder „Mir wäre lieber, wenn …“ und „Ich bin bereit zu akzeptieren, dass es im Augenblick nicht so ist“.

Literatur

Walter Mischel: Der Marshmallow-Effekt. Wie Willensstärke unsere Persönlichkeit prägt. Pantheon, München 2016

Johanna Müller-Ebert: Wie Neues gelingt. Die vier Schritte zur Veränderungskompetenz. Kösel, München 2014

Den kompletten Artikel können Sie bei uns kaufen oder freischalten.

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