Weil es mein Leben ist

Warum merken wir so selten, wie gut es uns geht? – Ein Essay über den Wert des eigenen Lebens

Schau dich um: Es geht darum, die Schönheit des Lebens erfahrbar zu machen. © Elke Ehninger

Weil es mein Leben ist

Im Alltag fällt es uns häufig schwer, das Kostbare an unserem Leben zu erkennen. Oft muss das Selbstverständliche erstbedroht sein, damit wir schätzen, was wir haben. Doch es gibt Wege, wie wir die Schönheit unseres Lebens wieder erfahrbar machen

Ihr wisst ja gar nicht, wie gut es euch geht! Der Satz ärgert uns, denn in ihm steckt pastorenhafte Schulmeisterei und ein Vorwurf an unser einmal wieder nicht funktionierendes Sensibilitätsorgan. Ja, er hat etwas Überhebliches, weil in ihm zum Ausdruck kommt, dass wir offenbar nicht in der Lage sind, das Schöne und Gute zu sehen. Dennoch steckt in diesem Satz viel Wahrheit. Wir wissen tatsächlich oft nicht, wie gut es uns geht. Solange alles „normal“ ist, fällt es uns schwer, das Kostbare unseres Lebens zu erkennen. Wie gut es uns geht, wissen wir meistens erst, wenn das Selbstverständliche bedroht ist oder wir es schon verloren haben. „Ich schaue aus dem Fenster und staune, als hätte ich noch nie Sonne und Wolken gesehen“, schrieb Christoph Schlingensief in seinem kurz vor seinem Tod erschienenen Krebstagebuch von 2009, dem er den Titel gab: So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!. Im Grunde sind wir immer vom Tod umgeben, aber erst, wenn uns eine Krankheit oder ein Unglück bewusstmacht, dass unser Leben unmittelbar bedroht ist, entdecken wir das schöne Leben. „Memento mori!“ und „Carpe diem!“ – es scheint, sie gehörten unauflösbar zusammen.

Tatsächlich gibt es viele Beispiele, wie Menschen entweder durch Phasen schmerzhafter Entbehrung oder gar durch völligen Verlust all das Selbstverständliche, was sie einst hatten, erst richtig schätzen gelernt haben. Wer sein Gehör durch eine Operation wiedergewinnt, wird anders und mehr...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 6/2018: Diese Wohnung tut mir gut!
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