Langeweile konfrontiert uns mit uns selbst

Warum es sich lohnt, Zeiten des Leerlaufs auszuhalten

Langeweile konfrontiert uns mit uns selbst

Warum es sich lohnt, Zeiten des Leerlaufs auszuhalten

Eine geschlagene Ewigkeit sitzen Sie schon im Neonlicht des Zahnarzt-Wartezimmers. Mindestens vier Mitpatienten werden noch vor Ihnen drankommen. Einige der Lesezirkelzeitschriften haben Sie leicht angeödet durchgeblättert, die Kunstdrucke an der Wand studiert. Alle fünf Minuten gucken Sie auf die Uhr, und der Impuls zu gehen wächst. Aber Sie haben schon eine Dreiviertelstunde gewartet, wenn Sie jetzt gehen, wäre diese Zeit völlig vergeudet.

Langeweile ergreift nun unerbittlich Besitz von Ihnen. Ist sie unangenehm, sogar quälend? Werden Sie unruhig und missmutig, weil „da draußen“ so viel zu erledigen wäre? Oder kommt Ihnen das erzwungene Nichtstun gerade recht? Mal wieder die Gedanken ordnen, tagträumen, vielleicht einfach nur dösen? Anders gefragt: Können Sie Langeweile akzeptieren oder sogar genießen? Dann müssen Sie hier nicht weiterlesen!

Das ganze Unglück auf der Welt rühre daher, dass Menschen nicht still und vergnügt in ihrem Zimmer sitzen bleiben können, stellte der Philosoph Blaise Pascal (1623–1662) fest. Wenn ihnen „das fehlt, was man Zerstreuung nennt“, verfielen sie in üble Laune, und überhaupt sei ihnen „die Freude an der Einsamkeit etwas Unbegreifliches“. Wie zutreffend Pascals Beobachtung immer noch ist, beweisen Experimente des Sozialpsychologen Timothy Wilson: In einer Studie gab über die Hälfte der 409 Versuchspersonen an, schon das Stillsitzen und Nichtstun für wenige Minuten sei ihnen äußerst unangenehm. In einem weiteren Experiment mussten sich Versuchspersonen in ein Wartezimmer setzen, aber vorher Gadgets wie Handy, iPad oder auch Lesestoff abgeben. Was sie nicht wussten: Die Wartezeit selbst war das eigentliche Experiment.

Die einzige Möglichkeit, sich irgendwie abzulenken, bestand darin, sich an einem im Warteraum „zufällig“ installierten Apparat selbst schmerzhafte Stromstöße zu verabreichen. Und das taten sie denn auch häufig – Männer übrigens dreimal so oft wie Frauen. Nichts zu tun, sich für etwa 15…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 5/2015: Nichtstun
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