Meine Zweifel und ich

​Selbstzweifel sind quälend. Doch wenn man richtig mit ihnen umgeht, können sie zu einer wertvollen Ressource werden. ​

Frau lehnt entspannt an der Wand und hat ihre Selbstzweifel überwunden
Mein Ich-Test: überprüft und für gut befunden © Silke Weinsheimer

Alina Jansen, 23, spült schon wieder Geschirr, obwohl sie lernen wollte. Das kann nicht so weitergehen. Wie so vieles andere auch, denkt die Studentin, die in Wirklichkeit anders heißt. Im Studium etwa: Der Stundenplan scheint zu voll, häufig wird sie mit ihren Seminararbeiten nicht fertig. „Täglich schreibe ich in mein Tagebuch, was ich verändern will“, erzählt die junge Frau. ­Disziplinierter arbeiten. Mehr Sport machen. In der WG für mehr Verteilung der Hausarbeit sorgen. „Aber ich schaffe es einfach nicht.“ Das macht sie mutlos und traurig. „Ich glaube, ich bin depressiv.“ Ist sie das wirklich? Um es herauszufinden, geht sie seit ­einiger Zeit zu Friederike Potreck-Rose, einer psychologischen Psychotherapeutin in Freiburg. „Vordergründig leidet Alina an ihrem vollen Stundenplan und dem WG-Leben“, erklärt die Therapeutin. Doch dies sind letztlich nur die Auswirkungen einer grundlegenderen Schwierigkeit, glaubt Potreck-Rose: „Alinas Hauptproblem sind ein geringes Selbstwertgefühl und die Selbstzweifel.“

In ihrem Inneren nörgeln die immer gleichen Stimmen: Verhalte ich mich richtig? Strenge ich mich genug an? Was denken die anderen von mir? Sicherheitshalber spült sie darum immer prompt die dreckigen Teller und Tassen. Und wenn eine Mitbewohnerin am Küchentisch sitzt, fragt sie, wie es ihr gehe – auch wenn sie eigentlich auf dem Sprung zur Vorlesung ist. Ihre Seminararbeiten hingegen schreibt sie auf den letzten Drücker, für Korrekturen bleibt da keine Zeit. „Alina verbringt so viel Zeit und Kraft damit, ihre Unsicherheiten zu kompensieren, dass sie keine günstigen Prioritäten setzt und oftmals ­Dinge, die wirklich wichtig sind, vernachlässigt“, sagt Potreck-Rose.

Die meisten Menschen kennen Selbstzweifel, mal mehr, mal weniger ausgeprägt. Allgemein sind Frauen häufiger betroffen, doch auch Männer quälen Unsicherheiten. Wie eine Umfrage aus dem Jahr 2010 zeigt, plagen hierzulande jede fünfte Frau und jeden siebten Mann Selbstzweifel. Haupttrigger sind…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 5/2019: Bin ich gut genug?
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