Den Traumjob finden – zufällig!

Was raten Sie einem jungen Menschen, der nicht weiß, welchen Beruf er ergreifen soll? Vermutlich fragen Sie ihn nach seinen Interessen und Kompetenzen. Ganz sicher sagen Sie ihm nicht: Überlasse es dem Zufall! Genau das aber empfiehlt ein neuer Ansatz, der die bisherige Berufsberatung auf den Kopf stellt

Den Traumjob finden – zufällig!

Was raten Sie einem jungen Menschen, der nicht weiß, welchen Beruf er ergreifen soll? Vermutlich fragen Sie ihn nach seinen Interessen und Kompetenzen. Ganz sicher sagen Sie ihm nicht: Überlasse es dem Zufall! Genau das aber empfiehlt ein neuer Ansatz, der die bisherige Berufsberatung auf den Kopf stellt

Als ich Student war, wollten alle ein Praktikum bei der Zeitung. Manche kannten jemanden, der sie an den offiziellen Bewerberschlangen vorbeimogelte. Wer weniger Glück hatte, landete für zwei Jahre auf einer Warteliste. Ich hatte mich nie ernsthaft um einen Einstieg in den Journalismus bemüht, schließlich wollte ich ja Professor werden.

Im Frühjahr 1998 geschah jedoch etwas, das mein Weltbild ins Wanken brachte. Das Telefon klingelte, am anderen Ende der Leitung meldete sich eine Redakteurin der taz und bot mir ein Praktikum an, praktisch ab morgen. Ein Praktikum bei einer deutschlandweit erscheinenden Tageszeitung? Für das ich mich nie beworben hatte? Ich glaubte zunächst an einen Scherz. Tatsächlich jedoch war das Praktikum für einen guten Freund von mir bestimmt gewesen. Der hatte inzwischen andernorts eine Festanstellung bekommen und den Kollegen von der taz – quasi zum Trost – meinen Namen und meine Nummer genannt. So stand ich also in meiner Wohnung und schaute verwirrt in den Kalender. Nein. Ich konnte nicht zusagen, unmöglich: Meine Frau hatte einen 40-Stunden-Job, ich war Hausmann und Vater für unser einjähriges Töchterchen. Nichts zu machen. Ich bedankte mich und legte auf. Fünf Minuten später klingelte das Telefon erneut: „Und wie sieht’s im Sommer aus? Passt es Ihnen dann vielleicht besser?“ Tatsächlich, es passte besser. Ich sagte zu, trat das Praktikum an. Und schon am Ende des ersten Tages wusste ich, dass ich meinen zukünftigen Beruf gefunden hatte – im Alter von 29 Jahren.

Normalerweise laufen Karrieren anders. Man entscheidet sich früh, was man werden möchte. Und wenn’s richtig gut werden soll, dann entscheidet man sich sehr früh. Steffi Graf war drei, als sie das erste Mal einen Ball mit einem Tennisschläger übers Netz wuchtete. Mozart genoss mit vier seine...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 5/2015: Nichtstun
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