Kummer aller Art

Kolumnistin Mariana Leky ringt mit dem Liebesschmerz ihrer Patentochter. Kann das Trübsal von Herrn Pohl helfen?

Die Illustration zeigt eine Frau, die weint. Um sie herum werden Erinnerungen gezeigt, zum Beispiel an einen schönen Urlaub und eine Liebesbeziehung
Was kann man einer 16-Jährigen sagen, die unter Liebeskummer leidet? © Elke Ehninger

Jeden Mittwoch treffe ich mich mit meiner Patentochter Lisa. Lisa ist sechzehn und hat, wie schon an den vergangenen Mittwochen, einen sehr großen Liebeskummer dabei. Vielmehr: Der Liebeskummer hat sie dabei. Er führt sie mit sich, man kann Lisa hinter dem hünenhaften Liebeskummer kaum erkennen.

Der Verursacher des Kummers heißt Magnus. Magnus geht in Lisas Schule, war ein halbes Jahr lang eine große Liebe, dann hat er Lisa verlassen, wegen einer Älteren und per SMS. Das ist natürlich unter aller Kanone, und wie jeden Mittwoch in letzter Zeit, wenn Lisas Kummer mir entgegenkommt, möchte ich Magnus eine SMS zurückschicken. Wie kann man nur, möchte ich schreiben, jemand so kluges, lustiges und schönes wie Lisa verlassen, auf so schnöde Art, und außerdem hast du einen ganz und gar bescheuerten Vornamen, du Unmagnus, du kleiner Wutz.

Vorvorletzten Mittwoch hat mir Lisa wieder und wieder Magnus’ Nachricht vorgelesen, in der Hoffnung, dass, wenn man eine Nachricht nur oft genug vorliest, sich das Wort „Schluss“ in „vorübergehende kleine Auszeit“ verwandelt, und sie hat mir dargelegt, was sie falsch gemacht haben könnte. Das war aus ihrer Sicht viel und wurde immer mehr. Ich habe versucht, das alles auszuräumen und zu widerlegen und etwas von meiner Wut auf Magnus in Lisa zu installieren, aber das hat nicht funktioniert.

Vorletzten Mittwoch habe ich es mit Ablenkung versucht. Lisa liebt Tierdokumentationen, ich hatte eine ausgeliehen, aber dann kamen leider Vogelpaare darin vor, die ihr Leben lang zusammenbleiben, und wenn einer der beiden stirbt, klappt der andere im Flug seine Flügel zusammen und stirbt...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 12/2018: Der Ex-Faktor
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