Das angepampte Herz

In ihrer Kolumne erzählt Mariana Leky von einem pampigen Mitkunden in der Bäckerei, den ihr eine höhere Instanz geschickt hat: zu Übungszwecken.

Die Illustration zeigt eine Frau mit einem Kind, die beim vorbeigehen einem Mann begegnen, der sie laut beschimpft
„Wann immer mich jemand zu Unrecht beschimpft, bleibt das an mir kleben wie Pech." © Elke Ehninger

Heute eskortiere ich mein fünfjähriges Patenkind Ben zu seinen Großeltern, wir fahren mit dem Zug von Berlin nach Cottbus. Wie jedes Kind stellt auch Ben gern unvermittelt große Fragen, und als wir in der Schlange vor der Bahnhofsbäckerei ste­hen, die eigentlich keine Schlange ist, sondern ein unübersichtlicher Pulk, fragt mich Ben: „Wie fangen eigentlich Kriege an?“

Ich bin mit der Backwarenauslage befasst und sage etwas unbestimmt: „Kriege fangen an, wenn zwei Menschen in Streit geraten.“ Ben nickt. Eine der Verkäuferinnen hinter der Theke schaut mich an und fragt: „Was darf’s denn sein?“

„Die beiden bitte“, sage ich und deute auf irgendwas mit Käse, und dann sagt ein Mann, von dem ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, dass ihn der Himmel oder sonst etwas Imposantes schickt, ziemlich laut: „Moment! Entschuldigen Sie mal.“ Ich drehe mich um. Der Mann steht schräg hinter mir und funkelt mich an. „Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind“, fragt er, „dass Sie die Stirn besitzen, sich hier einfach vorzudrängeln?“

„Ich habe mich nicht vorgedrängelt“, sage ich, „ich habe Sie nicht gesehen. Entschuldigung.“ Der Mann will das offenbar nicht hören, denn er legt sofort nach: „Finden Sie, dass Sie ein gutes Vorbild für Ihren Sohn sind, wenn Sie sich einfach so vordrängeln?“ „Das ist nicht mein Sohn, das ist mein Patenkind“, sage ich, als täte das irgendwas zur Sache, und der Mann sagt: „Sie sind wirklich kein gutes Vorbild“, dann schweigt er, und ich schweige auch.

Und die Pampe bleibt kleben

Manche Leute können, wenn sie angepampt werden, sofort und auf das schlagfertigste zurückpampen, und Minuten später ist die ganze Motzerei vergessen. An mir perlt derartige Pampe leider nicht ab. Wann immer mich jemand nebenbei und zu Unrecht beschimpft –...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 10/2019: Passiv-Aggressiv
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