„Die Worte der Populisten haben sich in unsere Sprache eingeschlichen“

Die Sprache der Populisten ist provokant und plakativ und beeinflusst die Einstellung vieler Menschen zu gesellschaftlichen Fragen. Im dritten Teil unserer Serie zur Bundestagswahl analysiert die Psychologin und Sprachexpertin Ulrike Grassinger die rhetorische Strategie der Rechten

„Die Worte der Populisten haben sich in unsere Sprache eingeschlichen“

Die Sprache der Populisten ist provokant und plakativ und beeinflusst die Einstellung vieler Menschen zu gesellschaftlichen Fragen. Im dritten Teil unserer Serie zur Bundestagswahl analysiert die Psychologin und Sprachexpertin Ulrike Grassinger die rhetorische Strategie der Rechten

Frau Grassinger, wir stehen kurz vor einer Bundestagswahl. Nutzen die Politiker der etablierten Parteien Ihrer Meinung nach eine falsche Sprache?

Ja, weil sie sich noch immer zu sehr auf die Frames der Rechtspopulisten beziehen und zu wenig über die eigenen Werte und ihre Weltsicht sprechen.

Die Frames? Was ist das?

Frames sind sprachliche und kognitive Deutungsrahmen, die wir nutzen, um Informationen zu verstehen. Sie sind eine Art Filter, über die wir Informationen Bedeutung beimessen. Je nachdem, welchen Frame ich verwende, kann ein und dieselbe Information unterschiedlich erscheinen. Es gibt beispielsweise ein beliebtes Fotomotiv in den sozialen Medien. Da werden die eigenen nackten Beine am Strand fotografiert und gepostet. Das sind natürlich Beine. Aber wenn ich Sie frage, sind das Beine oder Hotdogs, dann fangen Sie an zu überlegen – Beine sehen dann wie Hotdogs aus. Und so habe ich einen neuen Frame eingeführt, der Sie plötzlich ein Bild anders sehen lässt. Immer wenn jemand ein Wort sagt oder schreibt, kann er im Kopf des Zuhörers bestimmte Frames aktivieren – und somit unbewusste Schlussfolgerungen anregen, die sich auf das Verhalten der Menschen auswirken.

Was passiert, wenn Rechtspopulisten beispielsweise Begriffe wie Flüchtlingstsunami, Flüchtlingswelle oder Flüchtlingskrise in die politische Arena werfen?

Das erklärt ein relativ neuer Forschungsansatz, die kognitive Linguistik. Sie betrachtet Sprache nicht als reines Ornament unseres...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 9/2017: Wie tickt dieser Mensch?
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