Ganz normale Terroristen

Es ist nicht normal, sich selbst und Unschuldige in die Luft zu sprengen. Und doch kommen Studien immer wieder zu dem Ergebnis: Die meisten Dschihadisten sind nicht psychisch krank. Es mangelt ihnen auch nicht an Empathie – und genau da liegt das Problem

Ganz normale Terroristen

Es ist nicht normal, sich selbst und Unschuldige in die Luft zu sprengen. Und doch kommen Studien immer wieder zu dem Ergebnis: Die meisten Dschihadisten sind nicht psychisch krank. Es mangelt ihnen auch nicht an Empathie – und genau da liegt das Problem

Für John Brennan, den Chef der CIA, ist die Sache klar: Die Terroristen vom Islamischen Staat sind „mörderische Psychopathen“. Das waren seine Worte nach den Anschlägen von Paris, und so hatte er diese Art von Tätern auch vorher schon charakterisiert: „Die meisten von ihnen sind psychopathische Schlägertypen – Mörder, die ein religiöses Konstrukt als Vorwand benutzen.“

Das scheint so weit plausibel. Diese Menschen begehen grausame Morde, offensichtlich ohne jeden Skrupel, und auf die meisten trifft wohl auch zu, dass ihnen die Religion eher Aushängeschild als Glaubensrückhalt ist. Doch mit dem Begriff „Psychopath“ liegt Brennan falsch. Als Psychopathen bezeichnet man gefühlskalte, berechnende Charaktere ohne Mitgefühl. Nicht dass es normal wäre, mit einem Maschinengewehr auf friedliche Menschen zu schießen oder sich vor einem Fußballstadion in die Luft zu sprengen. Doch die Terrorismusforschung hat immer wieder eines bestätigt: Die meisten Täter sind weder Psychopathen im klinischen Sinne noch in anderer Weise psychiatrisch krank.

Marc Sageman, der in den 1980er Jahren für die CIA in Afghanistan und Pakistan tätig war und heute als forensischer Psychiater arbeitet, hatte nach den Anschlägen auf das World Trade Center die Biografien von Hunderten Islamisten aus dem Umfeld der Attentäter studiert (siehe Heft 8/2011: Was...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 2/2016: Sprich mit Dir!
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