Als die Affen sprechen lernten

In den 60er und 70er Jahren brachten Forscher talentierten Schimpansen und Gorillas das "Sprechen" bei. Doch das Schicksal der Helden war oft tragisch.

Oklahoma 1972: Psychologe Roger Fouts und Schimpansin Lucy unterhalten sich in Gebärdensprache. © Getty

Als die Affen sprechen lernten

Sie hießen Washoe, Koko, Lucy, Sarah oder Nim Chimpsky und waren Stars der Medien. In der Aufbruchsstimmung der 60er und 70er Jahre brachten Forscher talentierten Schimpansen und Gorillas das „Sprechen“ bei. Der wissen­schaftliche Ertrag war zweifel­haft – und das Schicksal der Helden oft tragisch

Besonderen Spaß hatte Nim mit den Büchern des Hausherrn. Der kleine Schimpanse kam 1973 wenige Tage nach seiner Geburt als Ziehkind in eine New Yorker Familie. Abends setzte sich sein Adoptivvater gerne ins Wohnzimmer inmitten seiner Bücher, die Regale vom Boden bis zur Decke füllten. Die menschlichen Kinder der Familie warteten schon darauf, was als Nächstes kam: Sobald ihm der Moment günstig schien, rannte das Äffchen zur Wand, fuhr mit der Hand durchs unterste Regal und riss sämtliche Bücher zu Boden. Dann machte Nim kehrt und fegte die Bände des nächsten Bretts herunter. Der Hausherr sprang auf und schrie: „Hör auf! Nein! Böse!“ Aber Nim machte weiter, bis sämtliche Bücher in seiner Reichweite unten lagen. Nim wuchs unter Menschen wie ein menschliches Kind auf, weil er sprechen lernen sollte.

Er war einer von vielen Affen, denen Menschen Sprache beibringen wollten. Einige wurden prominent, so auch Nim. Viele verfielen seinem Charme, seinem boshaften Sinn für Humor und seiner Fähigkeit, Menschen zu dem zu verleiten, was er wollte. Nim brachte es, wie einige seiner Schimpansenkollegen, zu einiger Medienprominenz. In der Wissenschaft jedoch sorgten sie für erbitterte Auseinandersetzungen um die Frage, wie gut sie Sprache wirklich meisterten. Dann wurden viele von ihnen vergessen. Kaum jemand interessierte sich für ihr oft trauriges Schicksal.

Die Anstrengungen der Gelehrten begannen 1931. Da versuchten es der Psychologe Winthrop Kellogg von der Indiana University und seine Frau mit der sieben Monate alten Schimpansin Gua. Die Kelloggs hatten einen fast gleich alten Sohn, Donald. Sie behandelten beide gleich, zogen ihnen gleiche...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 8/2018: Alles zu meiner Zeit
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