Das Versprechen der Leistung

Statuskämpfe machen viele Menschen anfälliger für Stress und seelische Probleme. Doch Leistung ist gar nicht so einfach zu messen.

Immer weiter nach oben? Sozialer Druck und Abstiegsängste machen vielen Menschen zu schaffen. © Christian Gralingen

Das Versprechen der Leistung

Statuskämpfe machen viele Menschen anfälliger für Stress und seelische Probleme

Die Zehnjährige lernt für die nächste Klassenarbeit, und die Note muss sehr gut sein: Leistung. Die nächste Deadline sitzt einem im Nacken, und der Text muss großartig werden: Leistung. Der Paketbote hetzt durch die Stadt, um bis 18 Uhr seine verordnete Tour zu schaffen: Leistung. Und dabei ist klar: Andere bekommen mit, was wir wann und wie geschafft haben. Wir leben in einer Gesellschaft der Leistung(sbesten), einer „Meritokratie“.

Und diese befindet sich nach Meinung des Berner Psychiaters Gregor Hasler in einer Krise – allerdings weniger in einer Leistungs-, als vielmehr in einer „Resilienzkrise“, wie er in seinem Buch Resilienz: Der Wir-Faktor beschreibt. Resilienz definiert Gregor Hasler als unsere Widerstandskraft gegen Stress und psychische Belastungen. Und die nimmt offenbar ab: Mehr Menschen als früher seien anfälliger für seelische Probleme und Erkrankungen, ist die Erfahrung des Psychiaters. Auch Zahlen legen es nahe: In Deutschland beschweren sich 40 Prozent der Vollzeitbeschäftigten über einen ständig wachsenden Druck, möglichst schnell möglichst viel Leistung bringen zu müssen.

Objektiv sind wir nicht stärker belastet

Wie der Begriff Resilienzkrise nahelegt, geht es aber dabei nicht um äußere Belastungen. Die Menschen der westlichen Welt seien de facto heute nicht mehr davon ausgesetzt als die Menschen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – samt...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 2/2019: Zwischen Liebe und Pflichtgefühl
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