Mit Hungern die Zeit aufhalten

An Anorexie erkranken vor allem junge Frauen und Mädchen im Alter zwischen 14 bis 20 Jahren. Nur fünf bis zehn Prozent der Patienten sind männlich. Für Experten ist die Magersucht noch immer ein Rätsel, aber neue Behandlungsansätze geben Hoffnung

Mit Hungern die Zeit aufhalten

An Anorexie erkranken vor allem junge Frauen und Mädchen im Alter zwischen 14 bis 20 Jahren. Nur fünf bis zehn Prozent der Patienten sind männlich. Für Experten ist die Magersucht noch immer ein Rätsel, aber neue Behandlungsansätze geben Hoffnung

Es ist fünf Uhr früh und zehn Grad minus, als Lena B. die Balkontür öffnet und sich in ihren Laufschuhen über die Brüstung gleiten lässt. Leise, damit die Eltern sie nicht hören. Sie joggt los in den dunklen Park. Sie läuft und läuft, eine halbe Stunde, immer weiter. Etwas in ihr verlangt diese Leistung, sonst kommt die Angst. Die Angst vor dem Essen, vor demLeben und vor allem vor dem Zunehmen. Lena B. ist magersüchtig. Mit 13 Jahren machte sie eine Diät, weil die Religionslehrerin vom Heilfasten schwärmte. In wenigen Monaten hungerte sie sich mehr als zehn Kilo vom Leib. Dann konnte sie mit dem Abnehmen nicht mehr aufhören.

Hungern, bis nur noch Haut und Knochen übrig sind – das trifft vor allem junge Frauen und Mädchen im Alter zwischen 14 und 20 Jahren, nur fünf bis zehn Prozent der Patienten sind männlich. Mindestens acht von 100 00 Menschen erkranken jährlich an Anorexie. Die Patienten werden immer jünger, und die Folgen sind einschneidend. „Magersucht ist noch immer eine rätselhafte Krankheit“, schreiben Stephan Zipfel, Leiter der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Tübingen, und seine Kollegen in The Lancet, einer renommierten medizinischen Fachzeitschrift. Die ersten Fälle wurden schon im 17. Jahrhundert beobachtet, doch – um nur eine offene Frage zu nennen – Ärzte wissen immer noch nicht genau, wieso die Körper von Magersüchtigen selbst evolutionäre Mechanismen außer Kraft setzen. Während andere vergeblich gegen Pfunde ankämpfen, sind Magersüchtige hochaktiv und ihre Körper verteidigen das gefährliche Untergewicht – manchmal bis zum Tode.

Anorexia nervosa, zu deutsch „nervenbedingte Appetitlosigkeit“, kann Wachstum und Fruchtbarkeit stoppen, die Gehirnentwicklung behindern – mit lebenslangen kognitiven und emotionalen Folgen –, sie kann zu Osteoporose und in schweren Fällen zu Organversagen führen. Für 40 Prozent der...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 11/2015: Den Alltag managen
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