Kampfkunst und Psychotherapie

Der Psychotherapeut Rainer Dirnberger hat ein Programm entwickelt, das die asiatische Kampfkunst Aikido mit Psychotherapie vereint.

Hölzerne Trainingswaffen werden im Aikido verwendet, um Bewegungsabläufe besser zu verinnerlichen. © Getty Images

„Man kann auch auf der Matte Neinsagen lernen“

Psychologie und Kampfkunst – wie passt das zusammen? Der Psychotherapeut Rainer Dirnberger hat ein Programm ­entwickelt, das beides vereint. Für ihn ist Aikido die perfekte Ergänzung der Psychotherapie

Herr Dirnberger, Sie sind Psychologe, Psychotherapeut und praktizieren seit mehr als 30 Jahren Aikido. Was hat Sie persönlich zum Aikido gebracht?

Dass ich aufs Aikido gestoßen bin, verdanke ich ­einem Zufall. Während meines Psychologiestudiums in den 1980er Jahren hatte ich diverse körperliche Probleme und wollte beweglicher werden. Ich war jedoch so pazifistisch eingestellt, dass ich mir zuerst unmöglich vorstellen konnte, je selbst eine Kampfkunst auszuüben. Damals gab es zwei Freunde, die mich zu einer Probestunde überredeten. Schon diese erste Stunde wirkte! Ich war erstaunt und begeistert zugleich – anstatt eines Kampfes gegeneinander erlebte ich die große Freude am gemeinsamen Training.

Was war das Erstaunliche?

Das Faszinierende an Aikido war für mich von Anfang an, dass die Prinzipien Gewaltfreiheit und Widerstandslosigkeit in einer effizienten Technik zusammenkommen. Die Grundidee ist, dass die Kraft des Gegners in einer entspannten, ruhigen Haltung aufgenommen und in eine für beide sichere Bewegung gebracht wird.

Man bezeichnet Aikido im Vergleich zu anderen Kampfkünsten auch als „Kampfkunst für Sensible“. Würden Sie dem zustimmen?

Absolut. Aikido ist schon von seiner Gründungsgeschichte her speziell. Die Techniken gehen auf den Japaner Ō’Sensei Morihei Ueshiba zurück, dessen Bild noch heute zum...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 7/2018: Kann ich mich ändern?
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