„Alkohol ist eine chemische Verleugnungshilfe“

Ob sich jemand auf dem Weg in die Alkoholsucht befindet, ist an äußerlichen Trinkgewohnheiten nicht zu erkennen, sagt der Therapeut Roland Voigtel. Viel wichtiger erscheint es, die Gefühle genauer anzuschauen, die sich hinter dem Griff zur Flasche verbergen. Ein nüchterner Blick auf eine diffuse Gemengelage

„Alkohol ist eine chemische Verleugnungshilfe“

Ob sich jemand auf dem Weg in die Alkoholsucht befindet, ist an äußerlichen Trinkgewohnheiten nicht zu erkennen, sagt der Therapeut Roland Voigtel. Viel wichtiger erscheint es, die Gefühle genauer anzuschauen, die sich hinter dem Griff zur Flasche verbergen. Ein nüchterner Blick auf eine diffuse Gemengelage

Herr Voigtel, was ist eigentlich dran an dem Spruch: Dummheit frisst, Intelligenz säuft?

Nichts.

Gleichzeitig existieren ganz viele solcher Sprüche über das Trinken.

Ja, das dient der Verharmlosung. Es ist der Versuch, das Diffamierende abzuwehren. Oft wird Trinken auch als etwas ganz Alltägliches hingestellt, das einem nun mal „passiert“ wie das Stolpern auf der Straße. Da das Trinken außerdem eine lange Tradition hat, kommen viele solcher Sprüche auf.

Der überwiegende Teil der Menschen trinkt regelmäßig Alkohol, ohne dass das zu größeren Beeinträchtigungen führt – wann sollten wir aufmerksamer werden auf unsere eigenen Trinkgewohnheiten?

Die Regelmäßigkeit an sich ist noch nicht das Problem. Erst wenn ich spüre, dass ich ohne das regelmäßige Trinken nicht mehr auskomme, muss ich aufmerken – und zwar unabhängig von der schlichten Gewohnheit, denn auf liebgewordene Rituale verzichten wir auch sonst ungern, das ist beim Glas Wein oder Bier abends nicht anders. Erst wenn jemand sich eingestehen muss, das Leben und den Alltag ohne den Alkohol eigentlich nicht auszuhalten, wird es problematisch. Wenn er sich sagen muss, dass ohne den Alkohol Gefühle auftauchen, die er nicht haben will. Das weist dann auf ein Suchtpotenzial hin.

Viele der Betreffenden wissen oder spüren das auch, aber sie verleugnen es. „Och, das mache ich schon immer so. Das ist halt eine Gewohnheit.“ Oder: „Es geht mir dann einfach gut.“ Oder auch: „Man wird ja auch mal lustig sein dürfen.“ Gleichwohl darf man natürlich auch mal trinken, um lustig...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 7/2015: Moment mal!
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