Raufgehen und Runterkommen

Ein Aufenthalt in den Bergen garantiert ungewohnte Perspektiven – ein Effekt, der sich auch therapeutisch einsetzen lässt.

Das Foto zeigt eine Gruppe junger Menschen beim Wandern im Gebirge als Möglichkeit therapeutischen Arbeitens
Coaches, Berater und Therapeuten nutzen Ausflüge ins Gebirge fürs therapeutische Arbeiten. © Getty

Als Martina Trautner nicht mehr weiterweiß, schnürt sie ihre Wanderstiefel. Der Freund hat sich von ihr verabschiedet und sie sich von ihrem Job. Ihr vertrautes Leben hat sich aufgelöst. Um eine neue Richtung zu finden, verordnet sich die 39-Jährige eine Auszeit. „Ich habe lange überlegt, womit ich diese Pause fülle. Dann war plötzlich klar: Ich gehe in die Berge“, sagt sie. Also packt sie zwölf Kilo Wanderausrüstung in ihren Rucksack und zieht los: vier Wochen lang von Hütte zu Hütte. Über Almwiesen und Bergrücken. Vorbei an Felswänden, Gipfelkreuzen und Bergseen. Sie fühlt sich befreit: „Alle Probleme, um die ich vorher gekreist bin, waren plötzlich weit weg. Der Abstand zum Alltag und die Reduktion auf das Nötigste haben mich total befreit.“

Jeder, der sich hin und wieder in den Bergen tummelt, kennt diesen Effekt: Die Konzentration ist ganz auf Bewegung und Umgebung gerichtet. Der nächste Schritt, die nächste Kurve, viel mehr hat in den Gedanken keinen Platz. Vielleicht noch das Wetter, die Brotzeit, der Schlafplatz. Essenzielles, manchmal sogar Existenzielles beansprucht die ­volle Aufmerksamkeit. Die Anstrengung pumpt uns Lebendigkeit in alle Poren. Am Abend dann flutet wohlige Erschöpfung die Glieder.

Raufgehen, um runterzukommen: Diese Strategie ist nicht neu. Nicht umsonst sprechen wir davon, dass wir „Berge versetzen“ können oder es mit der Gesundheit „bergauf geht“. Schon vor mehr als hundert Jahren stellte der amerikanische Naturphilosoph John Muir fest: „Tausende nervenschwache,...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute Compact 54: Natur & Psyche
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