Die Wucht des Zyklus

Frauen mit einer Prämenstruellen Dysphorischen Störung leiden jeden Monat unter starken psychischen Problemen. Manchmal ändert sich sogar ihr Wesen.

Eine Frau sitzt traurig in der Badewanne unter einem Wasserstrahl und rasiert sich die Beine
Frauen haben häufiger Depressionen und Suizidgedanken als Männer. Das Risiko steigt mit der ersten Periode – und sinkt mit der Menopause. © Gabriela Jolowicz

Mehrere aufeinanderfolgende Tage im Monat fühlt sich Nina Busch, als sei sie jemand anderes. Eine Frau, die sie nicht wieder­erkennt. Eine, die schnell wütend wird und traurig, die sich und das Leben infrage stellt, daran fast verzweifelt. „Eigentlich bin ich ein besonnener Mensch“, sagt Busch. „Aber in diesen Tagen habe ich das Gefühl, ich bin wie ausgewechselt, als wäre ich ein Zombie.“

In diesen Tagen fragt sich Busch, ob ihre langjährige Beziehung, in der sie eigentlich glücklich ist, noch Sinn macht. Sie zieht sich zurück, sagt Treffen mit Freundinnen und Freunden ab. Gegen diese Teilnahmslosigkeit – sie nennt sie „emotionale Armut“ – kommt sie nicht an. Gleichzeitig reagiert Busch extrem sensibel auf ihr Umfeld: „Wegen Nichtigkeiten könnte ich anfangen zu weinen.“

Busch will sich aus diesem emotionalen Sumpf herausziehen, aber sie schafft es nicht. Stattdessen macht sie sich Vorwürfe, entwickelt selbstzerstörerische Gedanken: Ich halte mich nicht mehr aus. Ich werde meinen Kindern nicht gerecht. Ich falle allen nur noch zur Last.

Hoher Leidensdruck

Die 36-Jährige leidet an einer PMDS. Die prämenstruelle dysphorische Störung ist die schwerste Form des prämenstruellen Syndroms (PMS, siehe Definitionskasten), dabei stehen die psychischen Beschwerden im Vordergrund, die den Alltag der Betroffenen enorm beeinträchtigen. Doch im Gegensatz zum PMS ist sie kaum jemandem ein Begriff, auch den meisten Medizinern nicht. Und das, obwohl rund fünf Prozent aller Frauen im reproduktiven Alter darunter leiden könnten. Allein in Deutschland wären das über 750000 Menschen.

Von Wut und Angst bis Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit – bei vielen Betroffenen ist der Leidensdruck enorm. Nina Busch spricht von „ungeahnten Tiefen“, in die sie während ihrer Zyklen stürzt, von einem „generellen Weltschmerz“, der sie überkommt. Manchmal hält diese Phase zwei Tage an,…

Den kompletten Artikel können Sie bei uns kaufen oder freischalten.

Artikel zum Thema
Gesundheit
Immer wieder berichten Frauen von Traumata bei der Geburt. Vereinzelt mag das am Arzt liegen. Doch es gibt auch andere Gründe ​
Gesellschaft
Zu Zeiten Freuds war Hysterie die häufigste psychische Erkrankung. Dann verschwand sie von der Bildfläche. Wo hat sie sich versteckt?
Familie
Fehlgeburten sind tabuisiert, beeinflussen aber Psyche und Beziehung der Paare nachhaltig – Anette Kersting im Gespräch über eine lange Trauer.
Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 11/2021: Egoisten
Psychologie Heute Compact 66: Meine Wohnung und ich
file_download print

Die Redaktion empfiehlt

Leben
Sorgenschleifen können sich verselbstständigen und großen Einfluss auf unser Leben haben.
Beziehung
Zweifel an der eigenen Beziehung sind eine große Belastung – für den Partner und insbesondere den Betroffenen.
Leben
Warum sind wir so gehetzt? Wir haben ein Gespür für den Geldwert, nicht aber für den Zeitwert unseres Tuns. Wie wir unseren Zeitwohlstand mehren.