Männerfreundschaft

Frauen können Freundschaft besser. Diese Meinung hält sich hartnäckig. Zu Unrecht. Denn freundschaftliche Beziehungen zwischen Männern sind nicht defizitär – sie funktionieren nur anders

Eine heitere Melodie erklingt, und wir sehen drei Männer in echter Männerseligkeit ein Lied schmettern, allen voran der junge Heinz Rühmann: Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt. Ein Freund bleibt immer Freund,und wenn die ganze Welt zusammenfällt. Drum sei auch nie betrübt, wenn dein Schatz dich nicht mehr liebt. Ein Freund, ein guter Freund, das ist der größte Schatz, den’s gibt.

Vergangene Zeiten. Es dauerte nicht lange nach dem Filmklassiker Die Drei von der Tankstelle von 1930, bis tatsächlich die ganze Welt zusammenfiel. Und es dauerte, gemessen an der Wirkungsgeschichte der Männerfreundschaft, nicht viel länger, bis auch die Hymnen auf sie verklangen.

Goethe und Schiller, Zola und Cézanne, Tom Sawyer und Huckleberry Finn, Winnetou und Old Shatterhand – in Literatur und Kino ist die Männerfreundschaft ein beliebter Topos. Gerade wurde sie wiederbelebt in der Verfilmung von Herrndorfs Roman Tschick. Wie Maik und Tschick in diesem Roadmovie zueinander finden, ist wunderbar anzusehen. Ihre gesellschaftliche Anerkennung hat die Männerfreundschaft allerdings komplett eingebüßt. Vergleiche von Freundschaftsbeziehungen endeten im wissenschaftlichen Diskurs zumeist mit einem „stigmatisierenden Resümee“ für die Männerfreundschaft, beklagt der Sozialpädagoge Steve Stiehler. Er ist Professor an der Hochschule St. Gallen und Autor des Buches Männerfreundschaften. Grundlagen und Dynamiken einer vernachlässigten Ressource. Stiehler fragt: „Sind Frauen heute das freundschaftsfähigere Geschlecht?“ So scheint es.

Jahrhundertelang galt das Gegenteil. Prägend war die Auffassung, wie sie der Philosoph de Montaigne im 16. Jahrhundert auf den Punkt brachte. Weil sie aufgrund ihrer „seelischen Schwäche“ zu derart tiefen Bindungen gar nicht in der Lage seien, sprach Montaigne Frauen die Fähigkeit zur...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 2/2017: Schon in Ordnung
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