„Es gibt keine Probleme, es gibt nur Tatsachen“

Der Heidelberger Psycho­therapeut Arnold Retzer gilt vielen als Provokateur. Er selbst bezeichnet sich allerdings lieber als Realist. Ein Gespräch über Paar­therapie, Heizkörper und seinen eigenen Lebensweg

„Es gibt keine Probleme, es gibt nur Tatsachen“

Der Heidelberger Psycho­therapeut Arnold Retzer gilt vielen als Provokateur. Er selbst bezeichnet sich allerdings lieber als Realist. Ein Gespräch über Paar­therapie, Heizkörper und seinen eigenen Lebensweg

Herr Retzer, hatten Sie als Jugendlicher eine klare Vorstellung, was Sie beruflich machen wollten?

Wir erzählen uns und anderen unsere Biografie rückblickend ja immer so, wie sie uns in den Kram passt. Meist sind das beschönigte Lebensgeschichten, weil wir aus meiner Sicht den Zufall und Dinge, die uns widerfahren, unterschätzen und uns selbst als Autoren unserer Biografie überschätzen. Meine Antwort ist also auch wieder eine Erzählung, die keinen Anspruch auf Objektivität erhebt. Ich hatte keinen Plan. Wenn ich mir rückblickend eine Motivation oder eine Quelle von Energie für meine Entwicklung zuschreiben soll, dann hat mich eher die Bewegung „weg von“ geprägt. Ich komme aus einer Familie, die man heute als bildungsfern bezeichnen würde. In meinem Elternhaus gab es kein einziges Buch. Deshalb wollte ich so schnell wie möglich dort weg.

Das war wahrscheinlich nicht vorgesehen.

Absolut nicht. Ich bin der Erste aus meiner Familie, der eine höhere Schulbildung genossen hat. Dass es mir überhaupt gelungen ist, Abitur zu machen, verdanke ich auch einem Lehrer, der mich sehr gefördert hat. Bei der Wahl meiner Studienfächer hat die ausklingende Studentenbewegung eine entscheidende Rolle gespielt. Es war völlig klar, dass ich etwas studieren wollte, was gesellschaftlich relevant war. Das Studium sollte dem Volke und dem Fortschritt dienen. Ich dachte, wenn schon, denn schon, und habe gleich drei Studiengänge absolviert: Medizin, Soziologie und Psychologie.

Ein ganz schön ehrgeiziges Programm. Viele sind mit einem Medizinstudium allein vollauf bedient. Warum haben Sie sich so viel vorgenommen?

Vielleicht hat mich auch die Energie „weg von“ angetrieben, eine Leistung zu erbringen, die mich wirklich verlässlich aus der Enge herausführt in etwas...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 8/2016: Die Harmonie-Lüge
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