„Die wenigsten sind heute in der Lage, sich selbst eine Freude zu gönnen“

Kindliche Freude und ab und an lustvolle Verrücktheit. Solche Momente zeigen uns, wofür es sich zu leben lohnt. Wenn wir immer nur das Vernünftige tun, ruinieren wir unser Leben, meint der Kulturphilosoph Robert Pfaller

„Die wenigsten sind heute in der Lage, sich selbst eine Freude zu gönnen“

Kindliche Freude und ab und an lustvolle Verrücktheit. Solche Momente zeigen uns, wofür es sich zu leben lohnt. Wenn wir immer nur das Vernünftige tun, ruinieren wir unser Leben, meint der Kulturphilosoph Robert Pfaller

„Wir können nicht mehr genießen“, konstatieren Sie lapidar. Wie passt dieses Urteil zur oft beklagten Fun- und Glückssucht unserer Zeit?

Was wir für unseren Spaß ausgeben, sind in der Regel groteske Zerrbilder des Glücks. Auf der anderen Seite sind immer mehr Leute damit beschäftigt, sich selbst nach leistungsmedizinischen Gesichtspunkten zu optimieren. Diese beiden Seiten kennzeichnen in meinen Augen eine zutiefst asketische Gesellschaft: Die wenigsten sind heute in der Lage, sich selbst eine kleine Freude zu gönnen. Und noch weniger gönnen sie sie den anderen. Eine der Ursachen für diese in den letzten 20 Jahren eingetretene Entwicklung sehe ich in dem Umstand, dass wir Glück neuerdings als etwas Privates begreifen und nicht mehr als etwas, das einerseits eine Art soziale Verpflichtung darstellt und andererseits eben darum auch solidarisch geteilt werden kann.

Sie kritisieren, dass wir zu „servilen Sachbearbeitern“ des Lebens verkommen seien und uns dabei wie altkluge Kinder verhalten.

Wir opfern ständig alles irgendeiner lebenserhaltenden Priorität. Entweder der Sicherheit oder der Gesundheit oder der Kosteneffizienz. Freilich brauchen wir das alles in einem gewissen Maß, um zu leben. Aber wir leben nicht, um gesund, sicher oder kosteneffizient zu sein. Altkluge Kinder...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 7/2015: Moment mal!
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