"Eddie, Sie alter Wuselknödel!"

Liebe ich meinen Hund genug? Und warum siezen er und ich uns immer noch?, fragt sich unsere Psychologie Heute-Kolumnistin Mariana Leky

Die Illustration zeigt eine Frau mit langen Haaren, neben ihr sitzt ihr Hund
Sollte man seinem Hund das Du anbieten? Unsere Kolumnistin überlegt. © Elke Ehninger

Jahrzehntelang habe ich mir einen Hund gewünscht. Jetzt habe ich einen, schon seit drei Jahren. Er heißt Eddie und ist ein freundliches, kniehohes wuscheliges Tier. Als ich Eddie von seinem Züchter abholte – nach Vorgesprächen hatte der Züchter befunden, dass Eddie und ich „füreinander bestimmt“ seien –, lief er nicht fröhlich auf mich zu, sondern verkroch sich unter einem Stuhl. In dem Moment fand ich ebenfalls, dass wir füreinander bestimmt waren: Auch ich lief nicht fröhlich auf ihn zu, auch ich hätte mich am liebsten unter einem Stuhl verkrochen – wenn auch aus anderen Gründen. Der Wunsch nach einem Hund war innig und pausenlos gewesen, aber jetzt dachte ich: „Lieber doch nicht“; und bis heute bin ich nicht sicher, ob das die ernst zu nehmende Warnung einer inneren Stimme war oder ob es die eiskalten Füße waren, die ich stets bekomme, wenn ein großer Wunsch droht, in Erfüllung zu gehen.

Ich finde Eddie ausgesprochen nett. Wenn allerdings im Hundeauslaufgebiet andere Besitzerinnen und Besitzer von der heißen Liebe zu ihrem Hund erzählen und davon, wie überhaupt nicht sie sich ein Leben ohne das Tier noch vorstellen können, dann nicke ich immer und lächle schief, wie jemand, der nur vorgibt, die Sprache zu verstehen, in der gerade gesprochen wird.

Heute sitzen Eddie und ich im Wartezimmer einer Tierärztin – Eddie braucht eine Impfung. Die Tierärztin ist eine Erscheinung. Sie hat eine ungeheure Leibesfülle und beeindruckt mich immer sehr durch ihren Körpereinsatz – ich glaube, man kann da durchaus von Magie sprechen. Sie beugt sich…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 1/2021: Sehnsucht nach Verbundenheit
Psychologie Heute Compact 67: Schwierige Beziehungen
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