Richtig streiten!

Im Job sind Konflikte unvermeidlich. Wie können wir umgehen mit Wut, Ärger, Antipathien? Antworten von Konflikt­beraterin Ursula Wawrzinek.

Streiten lernen unter Kollegen. © Jörg Dommel

Richtig streiten!

Im Job sind Konflikte unvermeidlich. Manchmal fällt es schwer, sachlich zu bleiben. Wie können wir umgehen mit Wut, Ärger, Antipathien? Bis zehn zählen reicht jedenfalls nicht, sagt die Konflikt­beraterin Ursula Wawrzinek

Frau Wawrzinek, Sie beraten Menschen, die bei der Arbeit mit anderen aneinandergeraten sind. Was unterscheidet private von beruflichen Konflikten?

Der Hauptunterschied ist sicher, dass Konflikte in Firmen Arbeitskraft binden und damit Geld kosten. Es gibt Studien, die zeigen, dass Führungskräfte jeden Tag bis zu 30 Prozent ihrer Zeit mit Konfliktklärung verbringen und dass etwa 15 Prozent der Gesamtarbeit eines Unternehmens mit Konfliktbewältigung zu tun hat. Genaue Summen sind schwer zu beziffern. Die Kosten für die Neubesetzung einer Stelle, wenn jemand im Zank geht, liegen etwa bei einem halben Jahresgehalt. Wenn ganze Projekte scheitern, sind die Verluste vielfach höher.

Erstaunlich, dass so viel Arbeitszeit für Reibereien draufgeht. Warum gibt es gerade im Beruf so viele Konflikte?

Ich glaube nicht, dass es bei der Arbeit mehr Spannungen gibt als im Privatleben. Aber sie sind anders. Im Privatleben sind Trennungen möglich, Distanz ist immer eine Option, wenn es unüberbrückbare Probleme gibt. Das geht im Job nicht. Wir können uns Kollegen nicht aussuchen, ihnen oft nicht ausweichen, müssen mit ihnen arbeiten. Wenn dann unterschiedliche Interessen, Weltanschauungen, Arbeitshaltungen kontrovers aufeinandertreffen, entstehen negative Emotionen, die sich rasch verfestigen.

Aber woran liegt es, dass wir uns so verbeißen?

Die meisten Menschen mögen keine Konflikte. Gerade am Arbeitsplatz glauben viele, dass sie nicht in Differenzen verwickelt werden können, wenn sie sich freundlich und kooperativ verhalten. Doch das ist eine Fehleinschätzung, denn jeder hat...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 2/2016: Sprich mit Dir!
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