Wie wird man beziehungsfähig?

Beziehungsunfähig? Gibt es nicht, sagt die Psychotherapeutin Stefanie Stahl – und erklärt, wie Menschen mit Bindungsangst sich helfen können.

Bindungsängste lassen sich auflösen – wenn man gelernte Muster erkennt und dann langsam verändert © Riikka laakso

Beziehungsfähig werden – wie geht das?

Jeder Mensch kann eine stabile Beziehung führen, meint die Psychotherapeutin Stefanie Stahl. Und erklärt, worauf es ankommt

Frau Stahl, woran erkennt man eigentlich, ob ein Mensch bindungsängstlich ist?

Typische Symptome von Bindungsangst sind: Nach einer stürmischen Anfangszeit stellt sich der „Schwächenzoom“ ein, kleine Schwächen des Partners werden lupenhaft vergrößert wahrgenommen. Die Erwartungen des Partners nach Nähe, Verbindlichkeit und einer gemeinsamen Zukunft werden als einengend erlebt. Das sexuelle Verlangen lässt stark nach, und es stellen sich immer mehr Zweifel ein, ob der Partner, der richtige ist. Ab welchem Zeitpunkt der Fluchtimpuls den Bindungsängstlichen ergreift, hängt von der Ausprägung der Bindungsangst ab. Manche brechen schon beim Flirten ab, andere nach dem Einzug in die gemeinsame Wohnung. Manchen Bindungsängstlichen wird auch erst nach der Hochzeit schlagartig bewusst: „Jetzt sitze ich fest!“ Die Bindungsangst bricht zumeist dann aus, wenn die Beziehung eine bestimmte Stufe der Verbindlichkeit erreicht hat, so dass die Betroffenen das Gefühl befällt, in der Falle zu sitzen.

Sie sagen nun, jeder Mensch könne beziehungsfähiger werden. Wie geht das? Nehmen wir Ihr Beispielpaar Julia und Robert: Was können sie tun, um beziehungsfähiger zu werden?

Die beiden müssten im ersten Schritt reflektieren, welche Prägungen sie von ihren Eltern in Bezug auf die Themen Bindung und Autonomie übernommen haben. Hier könnten sie sich mit den Fragen befassen: Wie gut haben meine Eltern meine Bindungsbedürfnisse erfüllt? Wie gut haben sie meine...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 12/2017: Beziehungsfähig!
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