Hier wird geflirtet

Wissenschaft und Ratgeberbücher geben Tipps fürs Flirten. Doch das verkrampft die Angelegenheit. Einen Ausweg könnte die romantische Ironie bieten.

Zwei Personen stehen mit dem Rücken an einer Glasscheibe auf der mit blauem Stift geschrieben steht "Wir wollen knutschen"
Foto: © Fräulein.Palindrom/photocase.de

Die romantische Komödie Er steht einfach nicht auf Dich (2009) mag ein eher hölzerner, seichter Film sein. Aber die Aneinanderreihung ineinander verwobener Beziehungskisten hat den Vorteil, wie im Zeitraffer verschiedene Formen des Flirtens zu präsentieren: die peinlichen, die allzu professionellen, die blamablen, die routinierten, die lässigen, die verzweifelten und die unkonventionellen.

Der Film basiert auf einem für den US-amerikanischen „therapeutischen“ oder „kommunikativen Kapitalismus“ (Eva Illouz) typischen Self-Help-Ratgeber für Singlefrauen (He’s Just Not That Into You, 2004). Liebesbeziehungen und Flirten werden im Film als challenges präsentiert, für die durch intensive verbale Kommunikation und Investitionen in soziale Kontakte fortwährend Kompetenzen erworben werden müssen. Homosexuelle treten dabei als unabhängige Beziehungsberater für Heteros auf.

Investion in die Zukunft

Auf exemplarische Weise verdeutlicht die Komödie das Spannungsfeld, in dem Flirten heute steht: Einerseits ist es ein verdammt ernstes und hartes Geschäft. Ganze Existenzen können vom Gelingen oder Scheitern einer Tändelei abhängen, seitdem wir westlichen Individualisten und Individualistinnen nicht mehr die komplexitätsreduzierende Gnade arrangierter Ehen erfahren.

Flirten ist mithin eine Investition in die Zukunft. Und dafür müssen Techniken erlernt, Verhaltensweisen optimiert und wie in einem Jump-and-Run-Game Level diverser Schwierigkeitsgrade durchgespielt werden. Andererseits lässt das Wort „Flirten“ im Popzeitalter vor allem an spielerische,…

Den kompletten Artikel können Sie bei uns kaufen oder freischalten.

Artikel zum Thema
Leben
Als Portier erhält Clemens Setz immer wieder Besuch von einem alten Mann, der rätselhafte Satzfragmente ausstößt. Was will er mitteilen?
Gesellschaft
Ein Museumsbesuch ist bisweilen ganz schön anstrengend, vor allem wenn man versucht, möglichst viel hineinzupacken. Durchschnittlich 20 Sekunden, so zeigt die…
Leben
Der Alltag ist voller Fallstricke, überall lauert der Wahnsinn. In ihrem Essay schildert Terézia Mora die Kunst der Bewältigung mithilfe: der Kunst!
Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 11/2021: Egoisten
Psychologie Heute Compact 66: Meine Wohnung und ich
file_download print

Die Redaktion empfiehlt

Leben
Sorgenschleifen können sich verselbstständigen und großen Einfluss auf unser Leben haben.
Beziehung
Zweifel an der eigenen Beziehung sind eine große Belastung – für den Partner und insbesondere den Betroffenen.
Leben
Warum sind wir so gehetzt? Wir haben ein Gespür für den Geldwert, nicht aber für den Zeitwert unseres Tuns. Wie wir unseren Zeitwohlstand mehren.