Wenn ein Wunsch erfüllt wird

Erst erschreckt man sich. Und dann freut man sich sehr. Psychologie Heute-Kolumnistin Mariana Leky über Aprilscherze in ihrer Familie

Die Illustration zeigt zwei Menschen, die fröhlich auf einer Rakete reiten, auf der das Wort "Surprise" steht
Überraschungen und Scherze sind in der Familie unserer Kolumne ein fester Bestandteil. © Elke Ehninger

In meiner Ursprungsfamilie ist es ein Ritual, einander einmal im Jahr gründlich zu verschaukeln. Ich kenne keine andere Familie, in der die Sitte „Aprilscherz“ so ernst genommen wird wie bei uns – Wochen zuvor wird bereits fieberhaft überlegt, wie man wen am sichersten in den April schicken kann. Die Vorstellung, niemanden hineinzuschicken oder selbst nicht geschickt zu werden, ist sehr trübe; als müsste man selbst oder ein naher Verwandter sich dann für immer in einem nichtssagenden März zurechtfinden.

Beim Aprilscherz geht es darum, mittels einer exakt auf ihn zugeschnittenen Erfindung das Herz des anderen kurz in seine Hose rutschen zu lassen – und ihn dann mit Er­leichterung zu begießen. Das Phänomenale ist, dass wir alle, meine Mutter, mein Vater, mein Bruder und ich, tatsächlich immer wieder hereinfallen; obwohl wir seit Jahrzehnten wissen, was uns am ersten April blüht, und deshalb besonders argwöhnisch sind. Wahrscheinlich liegt das an dem Wunsch, unbedingt hereinfallen zu wollen.

Als ich in Berlin gerade mit Ach und Krach meinen Führerschein gemacht hatte (sehr spät, ich war Anfang vierzig), rief am ersten April mein Bruder an und gratulierte mir herzlich und wortreich – schade sei es nur, sagte er beiläufig, dass in Berlin erworbene Führerscheine ja ausschließlich in Berlin und Brandenburg gültig seien. Ich glaubte das und erschrak und freute mich dann sehr. Meinem Vater, der am liebsten allein ist und sich, wenn überhaupt, nur mit den unvermeidlichsten Menschen umgibt, erzählte ich dieses Jahr, dass ich seinen sehr gesprächigen Schulfreund Franz getroffen habe, der um eine psychologische Beratung durch meinen Vater gebeten habe, weswegen ich ihn spontan zu meinem Vater eingeladen habe, Franz bleibe über Nacht und bringe seine ebenfalls beratungsbedürftige Enkelschar mit. Mein Vater glaubte das und erschrak und freute sich dann sehr.

Ein heikles Geschäft

Auch wegen unserer Lust am Aprilscherz haben mein Bruder und ich eine Leidenschaft dafür, unsere nahe Verwandtschaft an runden Geburtstagen aufwendig zu überraschen. Das ist natürlich ein heikles Geschäft. Zum 60. Geburtstag meiner Mutter haben wir den Fehler...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 12/2020: So gelingt Entspannung
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