Serie zur Bundestagswahl 2017: Noch immer autoritär

Vor fast 70 Jahren veröffentlichte der Soziologe Theodor W. Adorno seine Studien zum autoritären Charakter. Er ging dort der Frage nach, warum Menschen sich Diktatoren anschließen, andere diskriminieren oder angreifen. Die Antworten, die er fand, sind auch heute noch aktuell

Warum haben Populisten wieder Zulauf? Weshalb nehmen rassistische Vorurteile zu? Und wieso scheint das Interesse an der Demokratie abzunehmen? Gründe für diese Entwicklung in Deutschland, Europa und den USA werden viel diskutiert. Von abgehängten Schichten ist die Rede, von Perspektivlosigkeit und Unsicherheit, welche die Gesellschaft spalten. Diese Einflüsse spielen tatsächlich eine Rolle. „Doch wer verstehen will, woher die Bereitschaft so vieler Menschen kommt, eher autoritären Stimmen als demokratischen Prozessen zu trauen, der sollte sich die tiefenpsychologischen Studien zum autoritären Charakter anschauen“, sagt Oliver Decker. Der Sozialpsychologe von der Universität Leipzig untersucht in der „Mitte-Studie“ seit 2002 alle zwei Jahre, wie verbreitet rechtsextreme Einstellungen hierzulande sind.

Was hat es mit den Studien zum autoritären Charakter auf sich? Die 1950 in den USA veröffentlichte Untersuchung gilt als Meilenstein der empirischen Sozialforschung. Der Soziologe und Philosoph Theodor W. Adorno wollte damit die Gräueltaten der Nationalsozialisten und die latente Bereitschaft zu faschistischem Denken beleuchten. In seiner Studie stellte Adorno den Menschen und seine Persönlichkeit in den Mittelpunkt. Er war überzeugt, dass die politische Einstellung viel stärker von psychischen und emotionalen Faktoren abhängt, als man gemeinhin vermutet. In seiner Studie suchte er deshalb nach typischen Haltungen, Ansichten und Faktoren, die Ausdruck eines „faschistischen Charakters“ sein könnten, und nach solchen, die einen eher „demokratischen Charakter“ abbilden.

Sind Adornos Erkenntnisse für die heutige Zeit noch relevant? Experten halten Adornos Sicht auf politische Prozesse für durchaus erhellend, und einige seiner Thesen sind durch aktuelle Forschungsergebnisse ergänzt und weiterentwickelt worden und zeigen ihre Relevanz für gegenwärtige...

Den kompletten Artikel können Sie bei uns kaufen oder freischalten.

Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 7/2017: Gekonnt überzeugen
file_download print

News

Leben
Viele Menschen möchten ihr Smartphone nicht mehr missen - und manche fühlen sich ihm offenbar näher als ihren Kollegen und Nachbarn.
Leben
Menschen, die glauben, sie hätten etwas Besseres verdient als andere, bezahlen ihre Einstellung unter Umständen mit bestimmten psychologischen Risiken.
Leben
Wie können wir uns den Start in einen neuen Lebensabschnitt erleichtern? Indem wir das, was bald hinter uns liegen wird, auf eine gute Art verabschieden.