Damit die Welt wieder sicher wird

Was tun Menschen, die sich von Ungewissheit bedroht fühlen? Sie igeln sich ein, versuchen einen Schuldigen zu finden oder ­radikalisieren sich, sagt der Sozialpsychologe Ernst-Dieter Lantermann

Damit die Welt wieder sicher wird

Was tun Menschen, die sich von Ungewissheit bedroht fühlen? Sie igeln sich ein, versuchen einen Schuldigen zu finden oder ­radikalisieren sich, sagt der Sozialpsychologe Ernst-Dieter Lantermann

Herr Professor Lantermann, alle klagen darüber, die Zeiten seien so unsicher. War die reale Bedrohung in vergangenen Jahrzehnten nicht viel größer – Stichwort Kubakrise, Mauerbau, nukleares Wettrüsten?

Während der Kubakrise herrschte in Deutschland tatsächlich die Stimmung: Morgen beginnt der Krieg. Heute haben wir eine andere Situation mit verschiedenen Quellen der Unsicherheit. Zum einen die vielen bedrohlichen Einzelereignisse wie Flüchtlingskrise oder Terroranschläge. Eine andere Quelle ist der gesellschaftliche Zusammenhalt, der für viele Menschen außerordentlich brüchig geworden ist. Dann die Prekarisierung der Lebensverhältnisse, die immer weiter zunimmt. Hinzu kommt der Druck der Individualisierung. Das sind schleichende Prozesse, die eine eigene Ebene der Unsicherheit erzeugen. Damit kommt man vergleichsweise schlechter zurecht als mit konkreten Problemen. Das führt zu Gefühlen von Unsicherheit und Ungewissheit.

Sie sprechen von Ungewissheit und Unsicherheit. Wo liegt der Unterschied?

Ungewissheit ist lediglich eine Situationsbeschreibung, Unsicherheit bezeichnet dagegen ein Gefühl. Und das entsteht, sobald sich ein Mensch von einer ungewissen Situation bedroht fühlt. Viele können mit Ungewissheit ja sehr gut umgehen, manche genießen das sogar. Aber in unseren...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 11/2016: Sieh's doch mal so!
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