Warum Politiker oft falsche Entscheidungen treffen

Der Bamberger Psychologieprofessor Dietrich Dörner stellt bei vielen Politikern fest: Sie wehren ab, was nicht in ihr Weltbild passt. Die Folge: törichte und deshalb gefährliche Entscheidungen

Warum Politiker oft falsche Entscheidungen treffen

Der Bamberger Psychologieprofessor Dietrich Dörner stellt bei vielen Politikern fest: Sie wehren ab, was nicht in ihr Weltbild passt. Die Folge: törichte und deshalb gefährliche Entscheidungen

Herr Professor Dörner, wenn Sie über das Handeln in komplexen Systemen referieren, kann es vorkommen, dass Sie Landkarten aus dem Ersten Weltkrieg entrollen und Ihre Zuhörer mit militärischen Entscheidungen aus dieser Zeit konfrontieren. Sie verblüffen dann zum Beispiel mit der Erklärung, warum die Franzosen im Ersten Weltkrieg rote Hosen trugen. Was sollen diese Ausflüge in die Vergangenheit?

Die roten Hosen der französischen Infanterie sind ein Beispiel für törichtes Verhalten, und die Entscheidung dafür lief damals nach einer Art ab, die bis zum heutigen Tage aktuell ist und die man wieder und wieder findet. Ich habe die Geschichte mit den roten Hosen Barbara Tuchmans Buch August 1914 entnommen. Das ist eine der besten Sammlungen von Beispielen menschlicher Torheit.

Was besagt denn dieses Detail aus der Militärgeschichte genau?

1870/71 verlor Frankreich den Krieg gegen Preußen-Deutschland. Das war eine schwere Niederlage, die aber aus der Perspektive der Franzosen nicht an ihrer Armee liegen konnte; die war schließlich die beste Armee der Welt! Woran lag es dann? Damals identifizierte man das Kriegsbild als verantwortlich, das auf Verteidigung ausgerichtet gewesen war. Unter dem Eindruck der demütigenden Niederlage adaptierte man in Frankreich eine Militärdoktrin, die ausschließlich auf den Angriff setzte. „L’attaque, l’attaque, toujours l’attaque!“, hieß nun das Motto, das die roten Hosen der Uniform symbolisierten. Als ein französischer Kriegsminister im Jahre 1912 den Vorschlag machte, die französische Armee mit Tarnuniformen auszustatten, wie es die Deutschen und die Briten gemacht hatten, erhob sich ein Sturm der Entrüstung. „Die rote Hose, das ist Frankreich!“ Eine Tarnuniform hätte die zentrale militärische Doktrin der Franzosen negiert, und das durfte nicht sein. Der Zweifel an der roten Hose war der Zweifel am Weltbild der französischen Militärs. Wenn man aber zentrale Überzeugungen aufgibt, gibt man sich selbst auf. So meint man zumindest.

Die Franzosen fürchteten um ihr Selbstvertrauen, wenn sie die roten Hosen abschafften?

Das eigene Weltbild und die feste Überzeugung, dass es richtig ist, ist eine Basis des Selbstvertrauens, des Mutes und der Überzeugung, dass man erfolgreich sein wird. Gibt man das eigene Weltbild auf, so...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 8/2015: Schöner Stress!
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