Vorurteile? Ich doch nicht!

Frauen gelten heute als gleichberechtigt. Homosexuelle werden nicht länger als „krank“ bezeichnet, und ein Schwarzer kann amerikanischer Präsident werden. Sexismus, Rassismus und Heterosexismus sind deshalb aber nicht verschwunden. Sie äußern sich nur in verdeckter Form

Vorurteile? Ich doch nicht!

Frauen gelten heute als gleichberechtigt. Homosexuelle werden nicht länger als „krank“ bezeichnet, und ein Schwarzer kann amerikanischer Präsident werden. Sexismus, Rassismus und Heterosexismus sind deshalb aber nicht verschwunden. Sie äußern sich nur in verdeckter Form

Ein Fahrgast redet mit einem ausländisch aussehenden Taxifahrer besonders langsam und deutlich, obwohl der die Landessprache fließend beherrscht. Ein Mathelehrer lobt eine Schülerin, für ein Mädchen könne sie gut rechnen. Eine Frau im Bus hält ihre Handtasche fester, als sich ein schwarzhäutiger Mann neben sie setzt. Ein lesbisches Paar wird auf einer Party „im Spaß“ gefragt, wer denn der Mann in der Beziehung sei. – Diese Begebenheiten scheinen auf den ersten Blick nicht viel gemein zu haben. Doch alle stellen das dar, was der Psychologe Derald Sue Mikroaggressionen nennt, eine subtile und deshalb besonders heimtückische Form von Diskriminierung. Dem „Täter“ sei oft gar nicht bewusst, betont der Wissenschaftler, dass er sein Gegenüber kränkt. Aber auch wenn sie unbeabsichtigt erfolgen, könnten die scheinbar harmlosen Botschaften beim Adressaten gravierende psychische und körperliche Effekte erzeugen.

Der Begriff microaggressions wurde in den 1970er Jahren von Chester Pierce geprägt, einem schwarzen Harvardprofessor. Er beschrieb damit alltägliche Erniedrigungen und Beleidigungen gegenüber Afro-amerikanern. Doch ins öffentliche und akademische Bewusstsein trat der Begriff erst durch die…

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