Auf der Flucht

Bei einer Fugue bewegen sich Leute von ihrem Zuhause oder Arbeitsort weg und erinnern sich an nichts – über ein rätselhaftes Geschehen

Die Illustration zeigt eine Frau am Lenkrad eines Autos. Ihr Kopf knickt nach vorne und ihre Augen sind geschlossen, weil sich ihr Bewusstsein abgeschaltet hat.
Eine Frau fährt Auto und merkt gar nicht, was sie tut. Bei einer Fugue bewegen sich Leute fort ohne es zu bemerken. Äußerlich scheinen sie dabei geordnet. © Barbara Ott

Im Sommer 2010 haben Forstarbeiter ein entlegenes Waldstück im Harz abgesperrt. Einige Bäume sollen gefällt werden, es besteht Lebensgefahr. Deshalb stoppen sie die Arbeit, als eine junge Frau durch das Sperrgebiet läuft. Sie macht einen verwirrten Eindruck: Sie weiß weder, wie sie heißt, noch, wo sie herkommt. Als die Arbeiter sie ins Krankenhaus bringen wollen, bricht sie in Panik aus. Widerwillig lässt sie sich schließlich zu einem Arzt begleiten. „Ich hatte Glück. Wenn der Wald nicht gesperrt gewesen wäre, wären die Männer gar nicht auf mich aufmerksam geworden“, sagt Lisa Menke heute, acht Jahre später. Wie lange wäre sie dann ohne Gedächtnis herumgeirrt?

Beim Arzt seien langsam die Erinnerungen zurückgekommen, erzählt Menke. Sie erinnerte sich wieder, wer sie war und wo sie lebte. Und sie erinnerte sich auch, dass sie am Morgen ihre beiden Kinder zur Schule gefahren hatte. Doch was war danach geschehen? Wieso war sie von ihrer Heimatstadt 80 Kilometer bis in den Harz gefahren und in den Wald gelaufen? Und wo hatte sie das Auto gelassen? Bis heute kann sich Lisa Menke an nichts von dem erinnern, was während ihres Aussetzers passiert ist. Dieser Tag gähnt wie ein schwarzes Loch in ihrem Gedächtnis.

Erst drei Wochen später fand die Polizei Menkes Wagen auf einem Parkplatz, rund acht Kilometer vom Wald entfernt. Weder war das Auto beschädigt, noch war Lisa Menke, damals 35 Jahre alt, körperlich etwas zugestoßen. „Dennoch fühlte ich mich ganz leer und unendlich erschöpft. Ich habe danach...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 12/2018: Der Ex-Faktor
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