Neurofeedback: Standleitung zum Gehirn

Ein Bild auf dem Monitor – etwa ein steigender oder fallender Fesselballon – gibt mir Rückmeldung, in welchem Zustand sich mein Gehirn in diesem Augenblick befindet: Das ist das Prinzip von „Neurofeedback“. Die Methode erlebt einen enormen Aufschwung, etwa in der Therapie von Schlafpro­blemen oder Aufmerksamkeitsstörungen

Ein Bild erscheint vor dem inneren Auge. Eine Landschaft vielleicht, Berge inmitten des bunten Herbstes, von der untergehenden Sonne warm angestrahlt. Wiesen, vernebelte Täler. Es ist eine Erinnerung aus längst vergangener Zeit, die zum Rettungsanker in der Gegenwart geworden ist. Ein Anker in langen Nächten, die nicht vergehen wollen, wenn die Uhr laut und langsam tickt und nur die Gestalten der Gedankenwelt noch wach sind. Sie kreisen im Kopf herum, immer schneller, immer wacher wird der Geist. In diesen Stunden holt Fritz Seifert die Landschaftserinnerung hervor, seinen Rettungsanker. An ihm hängt unsichtbar der lang­ersehnte Schlaf.

Wie genau das Einschlafen nach all den langen Nächten wieder funktioniert, kann der Schlafpatient Seifert nicht sagen. Nur, dass er es endlich wieder kann und dass es irgendwas mit diesem Bild zu tun hat – und mit Neurofeedback.

Der 60-jährige Unternehmer erzählt davon in den Pausen seines Neurofeedbacktrainings, das er in der Münchner Praxis des Psychotherapeuten Lothar Niepoth macht. Er hat eine Kappe auf dem Kopf, in die Elektroden eingenäht sind. Die Elektroden nehmen die Aktivitäten in seinem Gehirn auf und übertragen sie live auf einen Bildschirm vor ihm. In Form von hoch- und runterzappelnden Balken bekommt er so ein Feedback darüber, was die Nervenzellen, die Neurone, in seinem Kopf machen: Neurofeedback eben. Durch dieses Feedback hat Seifert im Lauf der Zeit eingeübt, sich in einen Zustand zu versetzen, der ihn meist wunderbar einschlafen lässt. Wie Fahrradfahren sei das, erzählt er. Man hat es irgendwie gelernt, aber wie, das kann man nicht erklären.

Neurofeedback wird nicht nur bei Schlafstörungen eingesetzt, sondern auch als Therapie für die Aufmerksamkeitsstörung ADHS und bei Epilepsie. Außerdem wird es bei Autismus, Kopfschmerzen und Migräne, Tinnitus, Burnout, posttraumatischer Belastungsstörung, Depressionen oder Angststörungen...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 3/2015: Vorwärts Leben
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