Wann ist ein Mensch psychisch krank?

Bei psychischen Leiden ist der Übergang von der Lebenskrise zur Störung fließend. Wo verläuft die Grenze zur Krankheit? Der Psychiater Andreas Heinz hat da einen Vorschlag

Wann ist ein Mensch psychisch krank?

Bei psychischen Leiden ist der Übergang von der Lebenskrise zur Störung fließend. Wo verläuft die Grenze zur Krankheit? Der Psychiater Andreas Heinz hat da einen Vorschlag

Herr Professor Heinz, warum ist es so schwierig, psychische Krankheit zu definieren? Kann man nicht einfach sagen: Ich leide, also bin ich krank?

Damit würden wir ja schnell alle möglichen Leidenszustände zu einer Krankheit erklären. So wird beispielsweise seit Jahren diskutiert, ob es eine Verbitterungsstörung gibt. Aber das geht mir zu weit. Verbitterung, das ist doch ein Gefühl, das zum Leben dazugehört. Genauso wie Traurigkeit und Trauer, Angst und Panik, Verzweiflung und Enttäuschung. Gefühle, die jeder mehr oder weniger kennt. Gefühle, die es auszuhalten gilt und mit denen man umgehen kann.

Gilt der Satz denn umgekehrt: Ich leide nicht, also bin ich psychisch gesund?

Auch das funktioniert nicht. Menschen mit einer bipolaren Störung beispielsweise fühlen sich in der Manie ja oft ganz wunderbar, sind aber gerade dabei, ihr Leben zu gefährden. Einige psychische Erkrankungen gehen eben mit einer mangelnden Krankheitseinsicht einher. Das Leidenskriterium reicht also nicht, um Krankheit zu definieren.

Bei körperlichen Erkrankungen scheint klar zu sein, was krankhaft ist: Es liegt ein organischer Befund vor. Könnten objektivierbare Befunde auch für psychische Krankheit ein Kriterium sein?

So einfach ist das nicht. Der Krankheitsbegriff ist auch in der allgemeinen Medizin nicht geklärt: Mal…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 10/2017: Narzissten
Psychologie Heute Compact 64: Trauer und Verlust
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