Das Trauma und das Rätsel der Augenbewegungen

Eine simple Technik, bei der die Augen hin und her bewegt werden, zählt zu den etablierten Methoden gegen Traumata. Doch wie und warum wirkt sie?

Die Illustration zeigt einen Mann, der mit der Technik EMDR eine Traumatherapie macht und mit seinen Augen einer Kugel folgt
„Ich hielt es für eine diese Modetherapien: Irgendwie mit den Augen rollen“ © Mario Wagner

Es passierte völlig unerwartet. Der psycho­tische Patient geht auf Arne los: würgt, schlägt und tritt ihn, drückt ihn schließlich zu Boden. Es erscheint dem 33-jährigen Krankenpfleger wie eine Ewigkeit, bis seine Kollegen ihn endlich befreien können. An das, was danach geschehen ist, erinnert er sich nicht mehr. Der Schock sitzt tief. Arne kann nicht mehr richtig schlafen, hat Albträume. Er verfällt in Panik, sobald ihn in seiner Umgebung irgendetwas an den Vorfall erinnert. Das Arbeiten ist ihm nicht mehr möglich. Arne hat eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt.

Bei dem Lüneburger Stressmediziner und Psychotherapeuten Michael Hase unterzieht sich Arne einer EMDR (eye movement desensitization and reprocessing), einer auf Blickbewegungen basierenden Traumatherapie. In dem einleitenden Gespräch, in dem Patient und Therapeut die Krankengeschichte rekapitulieren, stellt sich heraus, dass der Krankenpfleger bereits vor dem Trauma belastet war, weil man ihn in seiner Jugend permanent wegen seines Übergewichts gehänselt hatte. Sein Therapeut beschließt, erst einmal dieses Problem aufzuarbeiten, um den Patienten mit der Therapietechnik vertraut zu machen. Danach wird das eigentliche Traumaereignis „reprozessiert“, um es emotional zu entschärfen und erträglich zu machen. Nach der fünften Therapiestunde hat es seinen Schrecken für Arne verloren, sein Wert auf einer Standardskala zum Erfassen der subjektiven Stressbelastung ist deutlich gefallen. Er kann wieder arbeiten – und drei Monate später ist sein Zustand nach wie vor stabil.

Es sind solche Fallberichte, die EMDR zu einem großen Hoffnungsträger in der Traumatherapie gemacht haben. Entwickelt wurde das Verfahren Ende der 1980er Jahre von der amerikanischen Psychologin Francine Shapiro. „Ich hielt es damals für eine dieser vielen Modetherapien, die aus den USA zu…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 12/2020: So gelingt Entspannung
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