„Unsere Verletzlichkeit ist der Weg zueinander“

Wenn wir zugeben, dass wir uns für etwas schämen, machen wir eine wichtige Erfahrung: Anderen geht es genauso! Ein Gespräch mit der Sozialwissenschaftlerin Brené Brown

„Unsere Verletzlichkeit ist der Weg zueinander“

Wenn wir zugeben, dass wir uns für etwas schämen, machen wir eine wichtige Erfahrung: Anderen geht es genauso! Ein Gespräch mit der Sozialwissenschaftlerin Brené Brown

Frau Brown, seit ein paar Jahren scheinen Niederlagen ihr schlechtes Image zu verlieren. Es ist akzeptabel, fast cool geworden, Misserfolge zuzugeben, und es setzt sich der Gedanke durch, dass man keinen Erfolg haben kann, wenn man auf dem Weg nicht auch auf die Nase fällt. Sie aber sagen, dass diese neue Bereitschaft zum Scheitern noch eher ein Lippenbekenntnis ist. Warum?

Es ist eine Sache, den Wert des Scheiterns anzuerkennen und zu preisen, und eine andere, sich wirklich nicht mehr dafür zu schämen. Wir haben ja auch mittlerweile alle die Vorzüge gesunder Ernährung begriffen, das heißt aber noch lange nicht, dass wir vernünftig essen. Aus Fehlern und Niederlagen mag man wunderbar lernen können, aber in der Praxis wollen wir die Theorie lieber nicht austesten. Zumindest in manchen Kulturen, Organisationen, Schulen und Situationen sind Schlappen und Versagen immer noch mit viel Schamgefühl behaftet. Ich würde sagen, wir befinden uns in der ersten Phase der Einsicht, dass Misserfolge unser Leben bereichern können.

Dafür spricht, dass wir die unangenehmen Teile meist weglassen, wenn wir über unsere Niederlagen sprechen. Wir erzählen, welche Lektionen wir gelernt haben, aber eher nicht im Detail, wie wir wochenlang unseren Selbstwert mit inneren Hasstiraden attackiert und unseren Frust an der Familie...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 3/2017: Schwäche zeigen!
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