Sorge dich um dich selbst

Übungen in philosophischer Lebenskunst

Sorge dich um dich selbst

Übungen in philosophischer Lebenskunst

Die Sorge um sich selbst, epimeleia heautou, wie sie die antiken Griechen nannten, war über einen langen Zeitraum hinweg das Anliegen der Philosophie. Und wer um sich selbst Sorge trägt, muss mithilfe von Übungen an sich arbeiten. Der Blick wird dafür nach innen gewendet, um so die Wahrheit zu erlangen, die in uns liegt – wenn auch auf einer anderen Seinsebene. In vielen Gedankenrichtungen unternimmt man durch Riten, Meditation und Geistesübungen den Versuch, sein wahres Sein beziehungsweise Nichtsein zu erkennen.

Meditieren

Eine der Hauptübungen in der Antike ist melete, bei den Römern meditatio genannt. Diese Meditation hat nichts mit dem Kontrollieren von Gedanken zu tun, vielmehr ist sie ein Sinnieren, eine Gedankenübung, in der wir uns an Gutes und Wahres erinnern – damit wir es zur Hand haben, wenn es vonnöten ist. Oft spricht man dabei auch laut vor sich hin, um so das Gedachte noch fester im Bewusstsein zu verankern.

Zum Beispiel wird am Morgen bedacht, was man sich am Tag vornimmt. Abends hingegen wird kontempliert, was man tagsüber vollbracht hat. Epiktet denkt darüber nach, welche Dinge vor sich gingen, wie sie ihn beeinflusst haben, wie er von ihnen abhängt und wie er sich ihnen gegenüber verhielt.

Eine ähnliche Übung ist praemeditatio malorum. Hierbei stellt man sich ein zukünftiges Unglück vor, das schon bald eintreffen wird. Es geht darum, sich zu prüfen, ob man auf das Übel vorbereitet ist. Man nimmt somit der Kalamität das Überraschungsmoment. Es ist ein Harnisch gegen die Welt.

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