Voller Leidenschaft

Ob Tanzen, Gärtnern oder Gitarrespielen: Was gibt es Schöneres im Leben, als sich einer Tätigkeit hinzugeben, in der wir voll und ganz aufgehen? Leidenschaft ist ein großer Motivator und eine ergiebige Quelle von Lebensfreude. Doch Vorsicht: Sie hat eine dunkle Kehrseite

Voller Leidenschaft

Ob Tanzen, Gärtnern oder Gitarrespielen: Was gibt es Schöneres im Leben, als sich einer Tätigkeit hinzugeben, in der wir voll und ganz aufgehen? Leidenschaft ist ein großer Motivator und eine ergiebige Quelle von Lebensfreude. Doch Vorsicht: Sie hat eine dunkle Kehrseite

In seinem Film Bauernopfer inszeniert Edward Zwick den Wettkampf zweier Schachgenies um die Weltmeisterkrone. Hier der Russe Boris Spasski, Titelträger, dort der Amerikaner Bobby Fischer, Herausforderer. Auf den ersten Blick gleicht einer dem anderen wie ein Abziehbild: Beide schachbegeisterte Ausnahmetalente, die schon als Halbwüchsige Großtitel anhäuften, beide mit einer hemdsärmeligen, offensiven Interpretation des Spiels. Doch tatsächlich sind sie ziemlich verschieden:Spasski, der Lebemann, ist ein geselliger, weltzugewandter, liebenswürdiger Mensch, der viel Schach, aber nicht nur Schach im Kopf hat und die Turniervorbereitung auch mal etwas laxer angeht; wegen nachvollziehbaren Zweifeln an seiner Linientreue wird er von der Sowjetführung misstrauisch beäugt. Fischer, der Fanatiker, seit der Einschulung auf Schach und sonst nichts fokussiert, ist einzelgängerisch, exaltiert, narzisstisch, paranoid, ein Psychopath, der sich an der Verzweiflung seiner Gegner weidet, wenn er sie in die Enge getrieben hat.

Was Fischer und Spasski verbindet, ist ihre Leidenschaft, ihre brennende Begeisterung für das Schachspiel. Für beide ist diese Leidenschaft prägend, sie werden von ihr mitgerissen. Doch den einen, Fischer, deformiert sie, während sich der andere, Spasski, von ihr tragen, aber nie...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 9/2016: Ich und glücklich?
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