„Freud kennt sich mit der Liebe auch nicht aus“

Robert Seethaler schafft in seinen Romanen immer wieder ungewöhnliche Begegnungen zwischen gegensätzlichen Charakteren. Durch seine klare, knappe Sprache wird sogar die zaghafte Freundschaft zwischen dem greisen Sigmund Freud und einem 17-jährigen Lehrling glaubwürdig

„Freud kennt sich mit der Liebe auch nicht aus“

Robert Seethaler schafft in seinen Romanen immer wieder ungewöhnliche Begegnungen zwischen gegensätzlichen Charakteren. Durch seine klare, knappe Sprache wird sogar die zaghafte Freundschaft zwischen dem greisen Sigmund Freud und einem 17-jährigen Lehrling glaubwürdig

Das Treffen mit Robert Seethaler findet in einem privaten Seminarhaus in Berlin-Mitte statt. Es gibt Kaffee, Tee, Kekse. Zwei Räume stehen für das Gespräch zur Auswahl, der Autor schaut kurz in beide, steuert dann zielstrebig den größeren, helleren an. Auf die Fragen im Interview reagiert er teils zügig und mit Gegenfragen, teils mit so großer Konzentration, dass er die Augen schließt und tief nachdenkt, bevor er seine Antwort mit klarer Stimme formuliert. In den fünf Büchern des Österreichers stehen immer wieder Außenseiter oder Eigenbrötler im Mittelpunkt, die – in einer schlichten, nüchternen Sprache beschrieben – zu Sympathieträgern werden.

Sein Roman Der Trafikant, in dem es um eine Begegnung von einem Tabakladen-Lehrling mit Sigmund Freud im Wien der dreißiger Jahre geht, ist ein Bestseller. Ebenso sein neuer Roman Ein ganzes Leben, der das Leben eines Tagelöhners in den Alpen während des letzten Jahrhunderts schildert. In seinem eigenen Leben hat Seethaler zunächst Schauspiel in Wien studiert, in zahlreichen Kino- und Fernsehproduktionen mitgespielt. Später schrieb er Drehbücher, studierte Psychologie und fing irgendwann mit dem Romanschreiben an.

Herr Seethaler, in Ihren Romanen treffen immer wieder sehr unterschiedliche Charaktere aufeinander. Was interessiert Sie an diesen Begegnungen?

Meine Geschichten fangen tatsächlich oft mit dem ersten Aufeinandertreffen zweier Personen an. Von einer Begegnung würde ich noch nicht sprechen,...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 5/2015: Nichtstun
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