Tränen der Trauer und der Wut

Der Suizid eines Nahestehenden stürzt die Hinterbliebenen in eine Flut widersprüchlicher Gefühle. Was tun, wenn sie nicht verebbt?

Immer wieder kommen die Tränen: Nach einem Suizid kreisen die Gedanken der Hinterbliebenen in Endlosschleife um die Tat. © Joni Majer

Tränen der Trauer, Tränen der Wut

„Warum hat er mir das nur angetan?“ „Ich hätte es verhindern müssen!“ – Trauer mischt sich mit Wut, Scham und tiefer Verzweiflung: Der Suizid eines Nahestehenden stürzt die Hinterbliebenen in eine Flut widersprüchlicher Gefühle. Was tun, wenn sie nicht verebbt?

Ihr Lebensgefährte wollte abends nur eine Videokassette zum Verleih zurückbringen. „Als er nicht wiederkam, ahnte ich schon Schlimmes“, erinnert sich Patricia Gerstendörfer. Im Briefkasten findet sie einen Abschiedsbrief. Einen Tag lang bleibt ihr Partner unauffindbar. Dann entdeckt ihn die Polizei in seinem Wagen außerhalb von Berlin. Er hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Und überlebt.

Seit sieben Jahren kennen sich Gerstendörfer und ihr Lebensgefährte da. Mit einer Brieffreundschaft hatte es angefangen. Dann zog sie zu ihm nach Berlin. „Er hat immer zu mir gesagt, er braucht nur den einen wichtigen Menschen an seiner Seite, um leben zu können. Das sei ich für ihn“, erinnert sie sich.

An diesen Gedanken klammert sich die junge Frau in der schweren Zeit nach dem Suizidversuch, der, wie sie erfährt, nicht sein erster war. Und auch nicht sein letzter sein wird: Drei Jahre später tötet er sich in der gemeinsamen Wohnung. Patricia Gerstendörfer findet den leblosen Körper. Auch ihr bisheriges Leben endet an diesem Tag. Sie stürzt in eine tiefe Depression. Der Suizid wird sie so schnell nicht loslassen.

Pro Jahr sterben in Deutschland etwa 10 000 Menschen durch einen Suizid. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass von jeder Selbsttötung 6 bis 23 weitere Menschen mitbetroffen sind, deren Leben durch den Todesfall erschüttert wird: Eltern, Kinder, Partner oder Ehegatten, Freunde,...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 8/2018: Alles zu meiner Zeit
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