Muße verzweifelt gesucht

Wir sehnen uns nach unverplanter, selbsterfüllter Zeit – und finden doch immer wieder Gründe dagegen. Über unser Verhältnis zur Muße.

Die Illustration zeigt eine weiße Figur, die in lässiger Pose in der Natur sitzt und im hektischen Alltag nach einem Moment der Muße sucht
Wo steht uns bloß zwischen Terminen und Pflichten der Kopf? © Benjamin Courtault/Sepia

Wir stecken in einem Dilemma fest und haben uns so sehr daran gewöhnt, dass wir keinen Ausweg sehen. Wir sehnen uns nach freien Zeiten, in denen wir zu uns kommen und in Seelenruhe Dinge tun, die uns Freude machen, oder in denen wir einfach nur dasitzen und in den Himmel schauen. Und gleichzeitig tun wir konsequent alles, um uns genau daran zu hindern: Unsere Terminkalender sind voll, die To-do-Listen werden länger.

Ergibt sich spontan eine Zeitlücke, quetschen wir noch einen Termin oder eine Besorgung zusätzlich ­hinein. Der Satz „Ich muss noch schnell…“ läuft als Endlosschleife im Kopf. Und ebenso oft taucht der Satz auf: „Ich würde ja so gerne mal in Ruhe, aber…“ Der Pflichterfüllungsmodus, in dem wir gefangen sind und der uns alternativlos erscheint, versperrt den Blick auf die zahlreichen Türen im Alltag, hinter denen Erfahrungen von Muße warten. Wir sehen sie nicht und verschieben das Projekt auf den nächsten Urlaub.

Meist machen wir äußere Umstände für unseren Mangel verantwortlich: den fordernden Chef, die Menge der Aufgaben auf dem Schreibtisch, die Kinder, die dauernd etwas wollen, die unerledigte Steuererklärung, die Nachrichtenanzeige auf dem Smartphone. Und tatsächlich leben wir in herausfordernden Zeiten von Arbeits- und Informationsverdichtung und Beschleunigung.

Die Angst vor uns selbst

Doch das eigentliche Hindernis liegt in uns selbst. Unsere innere Unruhe hält uns davon ab, gelegentlich innezuhalten und im gegenwärtigen Moment wirklich anzukommen. Und so ist unser Verhältnis zur Muße ambivalent. Sie ist wie eine Geliebte, deren Gegenwart...

Den kompletten Artikel können Sie bei uns kaufen oder freischalten.

Artikel zum Thema
Leben
Warum es sich lohnt, Zeiten des Leerlaufs auszuhalten
Leben
Wenn du viel zu tun hast – tue am besten mal nichts. So könnte man neue Erkenntnisse von Psychologen und Neurowissenschaftlern zusammenfassen. Sie zeigen: Unser...
Leben
Welchen Zusammenhang gibt es zwischen innerer und äußerer Ordnung? Und warum ist, wenn wir aufräumen, noch längst nicht alles im Lot? Ein Gespräch mit der...
Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 4/2020: Mein wunder Punkt
file_download print

Die Redaktion empfiehlt

Beziehung
Wenn der Partner sich immer öfter abwertend verhält, stellt sich die Frage, wie man Liebe wieder ins Gleichgewicht bringt – oder hinter sich lässt.
Beziehung
Zweifel an der eigenen Beziehung sind eine große Belastung – für den Partner und insbesondere den Betroffenen.
Familie
Wie reagieren Kinder und Jugendliche auf Corona? Im Interview spricht eine Expertin über typische Symptome – zum Beispiel Zwänge. ​