Schnäppi sagt merci

Über Höflichkeit nachdenkend trifft unsere Kolumnistin in einer Supermarkt-Schlange auf ihren Nachbarn und eine Merci-Schokolade.

Die Illustration zeigt drei Tierkörper mit Menschenköpfen, die auf Coronaviren stehen
Ist in besonderen Zeiten noch Platz für Höflichkeit? © Elke Ehninger

Die Supermarktschlange, in der ich Ende Februar stand, war eine herkömmliche Schlange. Leute und ihre Einkaufswagen standen dicht an dicht, und wenn jemand Einmalhandschuhe getragen hätte, hätte ich vermutlich gedacht: der Arme, der hat bestimmt eine schlimme Bakteriophobie. Während des Wartens überlegte ich, worüber ich meine nächste Kolumne schreiben könnte. Als die Frau vor mir an der Reihe war, fing sie an, laut krakeelend die Kassiererin für Länge und Geschwindigkeit der Schlange verantwortlich zu machen. Höflichkeit, dachte ich. Den nächsten Text schreibe ich über Höflichkeit.

Jetzt, Ende März, stehe ich wieder in einer Supermarktschlange. Es ist eine verhackstückte Schlange, wir stehen mit mindestens einer Einkaufswagenlänge Abstand zueinander. Viele tragen Einmalhandschuhe, und am Ende der Schlange sitzt der Kassierer hinter einer durchsichtigen Plane.

Ich habe in den letzten zwei Wochen kein bisschen über Höflichkeit nachgedacht, obwohl ich mich immer wieder dazu angehalten habe. Ich hatte alle Hände voll damit zu tun, mich in meinem auf den Kopf gestellten Alltag einzurichten. Man kann einen Alltag nicht auf den Kopf stellen, ohne dass er zerfällt und nicht mehr als Alltag erkennbar ist. Er ist dann ein Durcheinander von Bestandteilen, in deren Mitte man steht wie das Strichmännchen in IKEA-Aufbauanleitungen, auf den Bildern, die zeigen, wie man es nicht machen soll.

Der innere Despot

Die Supermarktschlange ist lang. Ich könnte jetzt über Höflichkeit nachdenken. Ich denke dann aber darüber nach, woher ich den Mann vor mir in der Schlange kenne. Es ist Herr Schnepp. Herrn Schnepp, Schnäppi genannt, kenne ich von flüchtigen Begegnungen im Hausflur...

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