Wir Voyeure

Im Café oder beim Warten auf den Zug - wir lieben es, andere zu beobachten. Warum macht uns das solchen Spaß?

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Wir Voyeure

Im Café oder beim Warten auf den Zug – wir lieben es, andere zu beobachten und zu überlegen, wie sie ticken. Warum macht uns das solchen Spaß?

Er war Rocker. Und ein Poser vor dem Herrn. Jeden Freitagnachmittag parkte der Kerl seine Harley unfassbar lässig vor den Augen der Leute, die vom Rathauscafé aus das Geschehen auf dem Marktplatz verfolgten. Was der wohl in seinem Leben trieb? Damals als 16-Jähriger studierte ich Passanten so gerne und intensiv, als sei es ein Volkssport. Ich malte mir die wildesten Fantasien über meine Beobachtungssubjekte aus. Der Rocker verkörperte in meinen Gedanken alles, was ich im ­Leben werden wollte: ultimativ extravagant und lässig, selbstbewusst und souverän, mit der Chuzpe, sein Ding zu machen.

Noch heute finde ich es so faszinierend wie stimulierend, andere Leute zu beäugen. Wie sie sich bewegen. Wie sie sich kleiden. Wie sie gelaunt sind. Und so weiter. Jede einzelne Person erscheint als Welt für sich, so komplex wie unergründlich. Trotzdem meine ich binnen Sekunden zu wissen, wie die unbekannten Menschen wohl ticken. Auch, wie zwei oder mehr Menschen zueinander stehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass ich allein durch die Beobachtung anderer einiges über unsere Spezies gelernt habe, vor allem, wie sich Menschen zueinander verhalten. Oder etwa nicht?

„Einerseits ganz bestimmt“, meint Susanne Quad-flieg. Die Psychologin von der Universität Bristol ist Expertin in Sachen people watching und weiß: Wenn wir Fremde und ihr Gebaren verfolgen, kupfern wir gelegentlich bestimmte Verhaltensweisen ab. Andererseits mehren sich in der…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 5/2018: Akzeptieren, wie es ist
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