Warum bin ich so, wie ich bin?

Ahnenforschung war früher ein Thema für den Adel oder für Pensionäre mit Zeitwohlstand. Inzwischen interessiert sich bereits jeder zweite Deutsche für seine Abstammung. Was hat man davon, wenn man seine Vorfahren und deren Geschichte kennt?

Warum bin ich so, wie ich bin?

Ahnenforschung war früher ein Thema für den Adel oder für Pensionäre mit Zeitwohlstand. Inzwischen interessiert sich bereits jeder zweite Deutsche für seine Abstammung. Was hat man davon, wenn man seine Vorfahren und deren Geschichte kennt?

Wie die Verwandtschaft eigentlich zusammenhängt, hat mich schon immer interessiert“, sagt die heute 72-jährige Renate Fischer, „besonders diese eine Sache, über die keiner offen reden wollte.“ Nur ein Raunen hinter vorgehaltener Hand um eine geheimnisvolle Geschichte gab es. Nach der Wende konnte die Ostberlinerin mit einer Tante im Westen sprechen, sie recherchierte Geburtsdaten, stöberte in Kirchenbüchern und wurde fündig: Die erste Frau ihres Großvaters war nach der Geburt des vierten Kindes gestorben. Nun war der Witwer allein mit vier Kindern, und so kam seine Nichte als Kindermädchen ins Haus. Mit 21 Jahren heiratete sie ihren Onkel und bekam selbst noch drei Kinder, das jüngste Kind war Renate Fischers Vater. „Das war also das schlimme Familiengeheimnis“, lacht die Berlinerin. „Ist doch schön, dass wir das jetzt mal wissen!“

Welche Geheimnisse gibt es in meiner Familie? Von wem stamme ich ab? Wer sind meine Vorfahren? Fragen wie diese treiben nach einer Umfrage des Allensbach-Instituts jeden zweiten Deutschen um. Vor allem an Lebensübergängen erwacht bei vielen das Interesse an der eigenen Familiengeschichte: bei Adoptivkindern in der Pubertät, mit der Geburt eigener Kinder oder des ersten Enkels oder wenn nach dem Tod der Eltern der Nachlass gesichtet werden muss. Längst sind nicht mehr nur Rentner im Zeitwohlstand, sondern auch jüngere Menschen mit Feuereifer auf den Spuren ihrer Vorfahren oder des Ursprungs ihres Familiennamens unterwegs.

Die Ahnenforschung hat in den letzten Jahren einen gewaltigen Imagewandel erfahren. Ursprünglich ging die schriftliche Dokumentation der Vor- und Nachfahren vom Adel aus, um Herrschaftsansprüche zu legitimieren, und erfreute sich erst später im aufstrebenden Bürgertum größerer Beliebtheit.…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 9/2016: Ich und glücklich?
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