Acht Stunden Arbeit, drei Stunden Fahrt

Die Wege, die Pendler zurücklegen, werden immer länger. Das kann körperliche wie psychische Probleme nach sich ziehen. Was lässt sich dagegen tun?

Die Illustration zeigt einen Berufspendler, der auf einer Uhr als Einrad balanziert
Wie mit den verschiedenen Bedürfnissen zurechtkommen? Viele Pendler entwickeln Routinen. © Frank Maier

Marc Frewert beginnt jeden Arbeitstag mit einer Reihe von Ritualen. Um 5.30 Uhr steht er auf, duscht, zieht die Kleidung an, die er am Abend bereitgelegt hat. Er gießt Milch in das Müsli, das ebenfalls schon bereitsteht. Dann nimmt er sich zehn Minuten Zeit für Meditation, gefolgt von ein paar Liegestützen und Situps. Um 6.15 Uhr geht er los. Er fährt mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof von Stuttgart und besteigt dort einen Zug, Abfahrt 6.56 Uhr. Eine Stunde später, um 7.53 Uhr trifft er in Ulm ein, wo der 33-Jährige als Ingenieur angestellt ist.

Alles ist exakt geplant: Welche Kleidung zu den Terminen des Tages passt, hat Frewert am Abend überlegt. Kaffee trinkt er erst im Büro, wo er gegen 8.30 Uhr eintrifft. Das Zischen der Maschine könnte daheim die schlafende Ehefrau wecken. Damit er morgens einigermaßen ausgeschlafen ist, liegt er meist schon um 22 Uhr im Bett. Marc Frewert legt innerhalb von 24 Stunden zweimal 100 Kilometer zurück. Fürs Berufspendeln hat er sich vor fünf Jahren entschieden, als ihm eine Stelle in Ulm angeboten wurde, seine Frau aber noch in Stuttgart studierte.

Immer mehr Menschen sind lange unterwegs. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit beobachtet seit der Jahrtausendwende einen Trend zu immer längeren Arbeitswegen. Laut dem Statistischen Bundesamt hatten 2016 mehr als 45 Prozent aller Erwerbstätigen einen Arbeitsweg von mehr als zehn Kilometern. 4,5 Prozent fuhren sogar weiter als 50 Kilometer.

Keine Zeit für Familie, für Freundschaften, für Hobbys

„Bei unseren Untersuchungen stellen wir fest, dass die meisten Menschen eigentlich weit weniger pendeln wollen“, sagt der Volkswirt Peter Haller vom IAB: Ständig unterwegs zu sein finden viele Menschen nervig. In Auto oder Zug…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 11/2019: Mut zur Angst
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