Beziehungsfähig!

Jeder hat das Potential, mit einem anderen glücklich werden – vorausgesetzt, er macht sich mit seiner Bindungsgeschichte vertraut. ​

© Riikka Laakso

Beziehungs­fähig!

Wenn es in Beziehungen kriselt, taucht schnell der Vorwurf auf: „Du bist beziehungsunfähig!“ Aber niemand ist grundsätzlich unbegabt für die Liebe. Im Gegenteil: Jeder hat das Potenzial, mit einem anderen glücklich zu werden. Vorausgesetzt, er macht sich mit seiner Bindungsgeschichte vertraut

Julia und Robert lernten sich auf einer After-Work-Party kennen, sie tanzten und flirteten den ganzen Abend. Robert war total Julias Typ: Markant, männlich und selbstbewusst. Julia stand in Flammen, für sie war es Liebe auf den ersten Blick. Auch Robert fand Gefallen an Julia, und so wurden sie nach wenigen Dates ein Paar. In der Anfangszeit klebten sie förmlich aneinander und liebten sich leidenschaftlich. Nach einigen Monaten des rauschhaften Glücks träumte Julia von einer gemeinsamen Zukunft und sprach öfter davon zusammenzuziehen. Robert reagierte jedoch zögerlich und ausweichend auf ihre Wohnungspläne.

Auch sein Verhalten veränderte sich: Er meldete sich seltener, sein Handy war öfter ausgeschaltet. Im Bett war er zunehmend lustlos, was er mit zu viel Stress bei der Arbeit begründete. Julia hatte das Gefühl, dass Robert ihr zunehmend entglitt. Sie verspürte heftige Verlustangst, und ihre Liebe zu ihm wurde umso intensiver. Sie suchte oft das Gespräch mit ihm, er reagierte jedoch auf ihre Fragen ausweichend und verschlossen. Julia geriet psychisch aus der Balance, sie fühlte sich unsicher und hilflos. Immer häufiger kam es zu Szenen und Tränen. Eines Abends eröffnete Robert Julia, dass er sich trennen wolle – er sei beziehungsunfähig. Für Julia brach die Welt zusammen.

Seit Erscheinen des Bestsellers Generation beziehungsunfähig von Michael Nast ist Beziehungsunfähigkeit ein Thema. Nast ist überzeugt, dass der Perfektionismus und der Selbstoptimierungswahn in unserer Gesellschaft, vor allem in der jungen Generation, exorbitant seien und diese deswegen...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 12/2017: Beziehungsfähig!
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