Ein Leben mit zwei Lieben

Neue Liebe nach dem Tod des Partners: eine Beziehung mit Herausforderungen!

Die Illustration zeigt einen Mann und eine Frau, die sich umarmen. Ein durchsichtiger zweiter Mann wird auch von ihr umarmt
Der Dritte im Bunde: Der verstorbene Partner ist als Phantom präsent. © Marco Wagner

Die Wohnung sieht aus, wie viele Wohnungen von jungen Paaren aussehen: Holzgerahmte Bilder an der Wand erzählen von den i-Tüpfelchen des gemeinsamen Lebens: der Safari in Afrika, dem Rucksacktrip in Laos, dem Wanderurlaub in Südtirol. Zwei Zahnbürsten schmiegen sich im Badezimmer aneinander. Laufschuhe vor der Tür, Reiseführer hinter dem Schreibtisch und eine Armada von Gewürzdöschen in der Küche verraten gemeinsame Leidenschaften. Zufriedene 60 Quadratmeter, die zwei Mittdreißiger ihr Zuhause nennen: Johanna Beck und Martin Schreiner.Wenig verrät hier, dass ihre Beziehung besondere Vorzeichen hat. Nur wer genau hinsieht, wird fündig. Da ist die Engelkerze ganz links auf dem Bücherregal. Das Sterbebild, von dem ein viel zu junger Mann auf das Sofa blickt. Das Foto eines innigen Paares neben dem Bett, das Johanna zeigt, aber nicht Martin.

„Am Anfang war hier alles voll von Tobi“, sagt Johanna. „Ich habe seine ganzen Sachen um mich gebraucht. Ich habe seine Klamotten getragen, jeden Morgen seine Lieblingstasse benutzt und alles mit Bildern von ihm tapeziert.“ Dieser Anfang ist sechs Jahre her und war vor allem ein Ende. Tobi, ihr Verlobter, starb an einer Krebserkrankung. Johanna wurde in ein Leben geworfen, das sie nicht wollte und das lange Zeit vor allem aus einem bestand: Schmerz. Als sich langsam wieder Normalität ausbreitete und die Phasen tiefer Trauer seltener wurden, schaffte Johanna Platz. Erst für sich – und irgendwann auch für Martin. Seit vier Jahren teilen sie nun ihr Leben, seit zwei Jahren auch die Wohnung.

Mit ihrer Situation sind die beiden nicht allein. 4,6 Millionen Deutsche sind verwitwet, das bescheinigt der Datenreport 2016 des Statistischen Bundesamtes. Hinzu kommt eine unbekannte Anzahl ­unverheirateter Menschen, die ihren Lebensgefährten verloren haben. Ein nicht unbedeutender Teil...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 11/2018: Manipulation durchschauen
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