Welche Botschaft hat die Angst?

Therapiestunde: ­Margarethe Schindler zeigt am Beispiel einer Frau mit Verlassenheitsängsten, wie viel schon in einem Erstgespräch passiert.

Die Illustration zeigt eine Frau in einem Vogelhäuschen, die zu ihrem Partner hinaussieht.
Im leeren Nest müssen sich Paare neu orientieren. Ihre elterlichen Rollen sind unwichtiger geworden und ihre Beziehung steht wieder im Vordergrund. ©

Die Frau vor mir mit der modischen Kurzhaarfrisur wirkt bekümmert. Oder gar verzweifelt? Sie erzählt, dass sie sich davor fürchtet, von ihrem Partner verlassen zu werden. Vor allem wenn sie allein sei, überfalle sie die Angst.

Zunächst lasse ich mir ihre Situation ausführlich berichten. Ihr Partner, den ich hier Patrick nenne, lebt schon seit über zehn Jahren mit ihr und ihren beiden Kindern zusammen. Warum hat sie nach so langer Zeit Angst, verlassen zu werden, frage ich mich, will aber zunächst von ihr wissen, wie die beiden zu Beginn ihrer Beziehung zusammenlebten. „Am Anfang war alles gut: Er war – und ist immer noch – freundlich und hilfsbereit“, berichtet die Klientin. Und dann erklärend: „Wissen Sie, meine Kinder sind nicht von ihm. Sie haben beide einen anderen Vater, der sich aber nicht um sie kümmert. Für mich zählte von Anfang an, dass mein neuer Partner liebevoll zu ihnen ist, dass er sie annimmt und gut behandelt. Sie waren ja noch klein damals. Vor Patrick hatte ich nämlich einen Freund, der selbst Kinder hatte, und ich merkte, dass er meine viel schlechter behandelt hat. Er war viel strenger zu ihnen und schlug sie sogar manchmal. Ihm war immer wichtig, dass seine Kinder möglichst jedes Wochenende zu uns kamen. Mich störte das nicht, obwohl ich sie nicht mochte. Aber wie er meine Kinder behandelte, das war letztlich der Grund, weswegen ich mich nach einigen Monaten von ihm getrennt habe.“

„Also war Ihr jetziger Partner immer auch ein guter Vater für Ihre Kinder?“, will ich von ihr wissen. „Ja, durchaus“, bestätigt sie und fährt fort: „Meine Kinder sind bald erwachsen, sie sind 16 und 19 Jahre alt.“ „Erzählen Sie mir vom jetzigen Zusammenleben mit Ihrem Partner“, bitte ich…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 2/2018: Die Stärke der Stillen
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