Eine Chance für die Familie

Jelena ZUmbach, die erste Juniorprofessorin für Familienrechtspsychologie in Deutschland, spricht im Interview über ihre Arbeit.

Die Illustration zeigt ein Elternpaar mit schwarzer Rauchwolke, dazwischen sitzt das Kind auf dem Boden und spielt Puzzle
Wenn es in der Beziehung nicht mehr funktioniert, sitzt das gemeinsame Kind meist zwischen den Fronten. © Richard Klippfeld

Frau Zumbach, was muss in einer Familie geschehen sein, damit das Familiengericht eingeschaltet wird und dann auch Sie als psychologische Gutachterin aktiv werden?

Sehr viel. Wenn ein Kind zum Beispiel beim Kinderarzt oder in der Kita auffällt, weil es in seiner Entwicklung verzögert ist oder verhaltensauffällig ist, dann können Arzt oder Erzieher erst einmal ein Gespräch mit den Eltern führen. Wenn das nicht hilft, können sie das Jugendamt informieren. Das unternimmt dann meist einen Hausbesuch und weist bei Bedarf eine Familienhilfe zu, die die Eltern unterstützen soll. Erst wenn es Gefährdungsmomente gibt, also Hinweise darauf, dass das Kind von den Eltern vernachlässigt, misshandelt oder sexuell missbraucht wird, kann es durch das Jugendamt zu einer Meldung bei Gericht kommen.

Und dann treten Sie auf den Plan.

Genau, das Gericht beauftragt oftmals ein psychologisches Gutachten, etwa bei mir. Meine Aufgabe ist, zu prüfen, ob die Lebensumstände das Kindeswohl gefährden oder auch wie eine drohende Schädigung des Kindes abgewendet werden kann. Ich komme aber auch bei Sorgerechtsstreits dazu und prüfe, welche Regelung dem Kindeswohl am ehesten dient.

Familiengefüge sind sehr komplex. Viele von uns verstehen ja die eigenen Eltern und Geschwister kaum. Wie soll da ein Gutachter von außen einen realistischen Überblick erhalten?

Eine familienrechtspsychologische Begutachtung dauert meist mehrere Monate, umfasst mehrere Gespräche, Beobachtungen und psychologische Untersuchungen. Falls nötig, können die Kinder in dieser Zeit durch das Jugendamt in Obhut genommen werden oder es wird ein Krisendienst eingerichtet, der...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 6/2020: An Krisen wachsen
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