Immer noch (fast) der gleiche Brei

Zeichentrickserien sind bei Kindern beliebt. Wie modern sind die Vorstellungen von Familienleben und Geschlechterrollen, die darin gezeigt werden?

Ein gleichgeschlechtliches Männerpaar sitzt am Tisch mit ihrem fröhlichen Kind
© Canvas/Getty Images

Fernsehen steht bei Kindern immer noch hoch im Kurs. Doch wie sieht es mit dem Familienbild aus, das Kindern im Fernsehen vermittelt wird? Das haben Forschende an der Universität Bamberg anhand von Zeichentrickserien untersucht. Sie wollten wissen: Wie hat sich die Darstellung des Familienlebens und der elterlichen Rollen im Lauf der Zeit verändert? 

Dafür haben sie drei aktuelle Serien und drei aus den 1980er-Jahren einer Videoanalyse unterzogen. Bei den älteren Sendungen wählten die Forschenden die Serien Dennis, Die Jetsons und Teenage Mutant Hero Turtles aus, bei den modernen Cosmo und Wanda, Phineas und Ferb sowie Teenage Mutant Ninja Turtles, die neuere Variante der Turtles-Show von früher.

Nur eine berufstätige Mama

Die Ergebnisse: Das Familienbild der modernen Sendungen ist zwar pluraler geworden, es gibt mehr Patchwork-, Adoptiv- und Stieffamilien zu sehen. Trotzdem geht es in den Familien immer noch sehr harmonisch zu, die Mitglieder verstehen sich gut und größere Probleme zwischen ihnen kommen nicht vor. Die wichtigsten Bezugspersonen für die Kinder sind nach wie vor die Mütter, auch wenn diese heutzutage auch mal eigenen Interessen nachgehen – berufstätig ist allerdings nur eine von ihnen, nämlich Mrs. Turner aus Cosmo und Wanda. Dagegen gehen alle Väter einer bezahlten Arbeit nach und haben die Rolle des Familienernährers inne.

Kinder werden also durch die Zeichentrickfamilien in ihren Lieblingsserien immer noch mit dem fortdauernden Idealbild der Kernfamilie und alten Rollenbildern konfrontiert, schreiben die Forschenden.

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute Compact 71: Familienbande
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