Kleine Gedankenleser

Manche Mädchen und Jungen haben geistig beeinträchtigte Geschwister. Warum hilft das den gesunden Kindern, sich besser in andere hineinzuversetzen? 

Die Illustration zeigt einen Kopf, in dem eine Pflanze wächst
© Aliksei Brouka/Getty Images

Für Kinder, die Geschwister mit einer psychischen oder geistigen Beeinträchtigung haben, kann das belastend sein, aber auch einen Vorteil haben, wie eine Untersuchung von Familien mit Zwillingen zeigt. Eines der Zwillingskinder wies eine psychische oder geistige Beeinträchtigung auf. Deren Geschwister waren viel besser als Kinder aus der Kontrollgruppe in der Lage, gedanklich die Perspektive von anderen einzunehmen.

Untersucht wurden 63 Familien mit jeweils 11 Jahre alten Zwillingen. Diese und eine größere Vergleichsgruppe stammten aus der Longitudinal Israeli Study of Twins, die das Ziel hat, die Entwicklung von Zwillingen zu beobachten.

Der Grund für die höhere kognitive Empathie: Schwestern oder Brüder der beeinträchtigten Kinder müssen sich mehr anstrengen, um herauszufinden, was diese wollen, schreibt das Forschungsteam. So trainieren die nicht beeinträchtigten Geschwister im Lauf der Zeit ihre Fähigkeit zur Perspektivübernahme.

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute Compact 71: Familienbande
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