Das Selbst im digitalen Zeitalter

Ein Gespräch mit dem Schriftsteller John von Düffel über die schwierige Suche heutiger Jugendlicher nach Identität.

John von Düffel im Gespräch: Das wichtigste Versprechen medialer Möglichkeiten für Jugendliche ist Zugehörigkeit, so der Autor ©Detlef Baltrock

„Vielleicht gibt es das unabhängige Selbst irgendwann nicht mehr“

Dem Zwang zur Selbst­optimierung kann sich kaum jemand entziehen. Wie Menschen damit um­gehen, welche Auswirkungen das auf die Psyche hat – dafür interessiert sich der Schriftsteller John von Düffel in vielen seiner Werke

Ihr neuer Roman Klassenbuch beschreibt Jugendliche, die zwischen virtueller und analoger Realität nach Identität suchen. Was interessiert Sie an dem Thema?

Vor einigen Jahren habe ich ein Schreibprojekt mit Berliner Schülern gemacht. Damals war ich erstaunt, wie unterschiedlich die Jugendlichen in Prägung, Herkunft, Erfahrung und in ihrer Affinität zu bestimmten Medien sind. Ein einheitliches Thema fürs Schreibprojekt war jedenfalls nur schwer zu finden. Diese Diversität von Lebens- und Innenwelten scheint mir prägend für unsere Zeit. In Klassenbuch habe ich versucht, sie durch neun Stimmen von Schülern darzustellen, die sich in völlig unterschiedlicher Weise zeigen: Es gibt Avatare, erfundene Identitäten, Selfie-Tagebücher.

Interessanterweise rutscht man schnell in Bewertungen oder Meinungsmache ab, wenn man über „Jugendliche...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 12/2017: Beziehungsfähig!
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